Samstag, 19. März 2011

[Rezension] Arthur Schnitzler - Fräulein Else

Seiten: 160; Preis: 6,95Euro
Klappentext: „Schon das Gestern verschwimmt, und alles, was ein paar Tage zurückliegt, bekommt den Charakter eines unklaren Traumes.“
Arthur Schnitzler erzählt vom Fehlverhalten der Menschen, die aus solchem Lebensgefühl heraus, nicht davor zurückscheuen, die anderen, die gewissenhaften, zu opfern, wenn sie selbst sich allzusehr verstrickt haben.
Inhalt: Else ist die Tochter eines Rechtsanwalt. Sie befindet sich im Urlaub in Italien, als ein Brief ihrer Mutter sie erreicht. Hier wird sie darum gebeten, den Herrn Dorsday, einen Kunsthändler, darum zu bitten eine größere Summe Geld für ihren Vater bereit zu stellen. Elses Vater hat (nicht zum ersten Mal) Mündelgelder veruntreut. Ihm droht nun das Gefängnis.
Else geht tatsächlich auf den Kunsthändler zu und schildert die Situation. Dorsday stimmt zu, ihrem Vater zu helfen. Da es aber auf dieser Welt nichts umsonst gibt, fordert er als Gegenleistung Else nackt sehen zu dürfen.
In einem ständigen Hin und Her erleben wir in dem inneren Monolog, in dem die gesamte Erzählung verfasst ist, wie Else abwägt, ob sie sich dieser Erniedrigung hingeben will und kann. Am Ende wird Dorsday sie nackt sehen, aber auch ganz andere Weise als erwartet und danach versucht Else den letzten Fluchtweg zu nehmen, der übrig bleibt.
Kurzinterpretation: Die höhere bürgerliche Schicht ist getränkt von Problemen, nicht nur Liebe, sondern auch die Existenz steht mancherorts auf dem Spiel. Mit diesen Grundlagen ist „Fräulein Else“ ein typisches Werk der Wiener literarischen Moderne. Unterstrichen wird dieser Charakter noch damit, dass Geld der Auslöser des Konfliktes ist und immerzu die Hauptrolle spielt.
Fräulein Else ist – wie alle anderen Frauen der Gesellschaft, so suggeriert Schnitzler – den Wünschen der Männerwelt hilflos ausgeliefert. Bis zuletzt wird sie von den umgebenden Personen nicht verstanden. Ihre eigene Persönlichkeit ist dabei entweder noch nicht voll entwickelt oder ist großen Schwankungen unterworfen, wobei sie viele Entscheidungen eher spontan trifft.
Auch ihre letzte Tat der Erzählung – nach dem Schlafmittel zu greifen – scheint hierzu zu gehören. Der Leser erfährt nicht, ob sie an einer Überdosis verstirbt oder lediglich Wahnvorstellungen ihren Geist trüben.
Meine Meinung: Arthur Schnitzler gelingt es eine Erzählung zu verfassen, die einerseits flüssig und gut zu lesen ist. Andererseits werden wir durch Else mit Fragen konfrontiert, die die Existenz der jungen Frau bedrohen. Obwohl man manches Mal schmunzeln muss, ist ihr Schicksal und ihr Leben doch tragisch. Durch die Form des inneren Monologes, die durchgehend gewahrt wird, erfährt der Leser von jeder Gefühlsregung und empfindet mal mit Leid, möchte sich ein anderes Mal an den Kopf fassen.
Eine kurze Erzählung, die Spaß macht und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Auch für alle, die eher selten „alte“ Bücher lesen, zu empfehlen, denn die Sprache ist gut verständlich.
Empfehlung: Es gibt eine sehr gute Hörbuchausgabe. Hier zu finden.

1 Kommentar:

Ich freue mich auf euren Kommentar!
Und verspreche: Ich werde sie alle beantworten :)