Freitag, 22. April 2011

[Rezension] Heinrich Böll - Ansichten eines Clowns ***

Genre: Nachkriegsliteratur; Seiten: 302; Preis 8,90 Euro; erschienen bei dtv

Kurzbeschreibung (nach buecher.de):
"Ich bin ein Clown, im Augenblick besser als mein Ruf."
Hans Schnier, einst ein gefragter Pantomime und Spaßmacher, sitzt, nachdem ihn seine Frau verlassen hat, zum Bettler degradiert auf den Stufen des Bonner Bahnhofs.
Inhalt: Hans Schnier, Pantomime und Spaßmacher beziehungsweise Clown, wurde von seiner Frau für einen anderen verlassen und nun findet der Verlassene sich nicht mehr in der Welt zurecht. Eine Flucht in den Alkohol verhindert eine weitere erfolgreiche Karriere und fördert die schon vorhandene Melancholie.
Während Hans nun versucht von seinen Freunden und Bekannten Geld zu bekommen, erhält der Leser einen Rückblick auf sein Leben und auch seine Liebe zu Marie. Sie ist seine einzige große Liebe und er spürt, dass es ohne sie für ihn nicht weiter geht.
Nachdem auch seine letzte Hoffnung, seine letzte Rettung, sein Bruder ihm nicht helfen kann, nimmt er sich seine Gitarre und setzt sich auf die Stufen des Bahnhofs, um etwas Geld zu erbetteln.

Meine Meinung: Ein Gefühl ist diesem Roman omnipräsent und oft so stark, dass es kaum zu ertragen ist. Dem Autor ist es gelungen die Melancholie des Protagonisten so mit Worten einzufangen, dass der Leser mehr als einmal kummervoll seufzen muss. Von Anfang an ist deutlich, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen kann und wenn es dem Leser gelingt, dies auch nicht zu erhoffen, kann er sich gut auf die Geschichte einlassen.
Mit einer deutlichen Kritik an seinen Eltern äußert der Protagonist seine Meinung zur Nachkriegsgesellschaft. Diese wird mehrmals als heuchlerisch und verlogen dargestellt. Aber ebenso wird der Katholizismus degradiert. Hans Schnier ist Protestant und hat auch kein Verständnis für die andere Konfession, also auch kein Verständnis für seinen Bruder, der konvertiert ist.
So entsteht ein starkes Konfliktfeld innerhalb der Familie und keiner der beiden Söhne kann einen guten Kontakt zu den Eltern halten. Die einzige Tochter ist im Krieg umgekommen. Hans hat dies seinen Eltern nie verziehen.
Dieser Roman regt über diese Konflikte hinaus zum Nachdenken an. Der Leser wird animiert auch über das eigene Leben, den eigenen weiteren Weg und den Umgang mit Familie und Freunden nachzudenken. Das macht den Roman zu einem starken Buch, das aber sicherlich nicht als reine Unterhaltungslektüre zu lesen ist.

Fazit: Dieser Roman bietet mehr als nur eine traurige Liebesgeschichte. Zusammen mit einer Kritik an der Nachkriegsgesellschaft und am Katholizismus, beinhaltet die Geschichte des Hans Schnier viel Stoff zum Nachdenken und in Frage stellen.
Ich möchte 3 von 5 Punkten vergeben

Über den Autor:
Heinrich Böll wurde 1917 in Köln geboren und starb 1985. Er gilt bis heute als einer der bedeutendsten Schriftsteller nach 1945.
1939 begann er ein Studium der Germanistik, wurde aber noch im selben Jahr zur Wehrmacht einberufen.  1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, wurde aber im September hieraus entlassen.
Die Liste seiner Werke und Auszeichnungen ist sehr lang. Der Höhepunkt war sicherlich 1972 der Nobelpreis der Literatur.  Sein Hauptwerk entstand in den Jahren von 1951 bis 1971 und beinhaltet neben „Ansichten eines Clowns“: Wo warst du, Adam? (1951), Und sagte kein einziges Wort (1953), Haus ohne Hüter (1954), Irisches Tagebuch (1957), Doktor Murkes gesammeltes Schweigen und andere Satiren (1958), Billard um halbzehn (1959) und Ende einer Dienstfahrt (1966).

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