Sonntag, 17. April 2011

[Rezension] Kai Meyer - Herrin der Lüge **

Genre: historischer Roman; Seiten: 822; erschienen bei Bastei Lübbe

Kurzbeschreibung nach Amazon: 5000 Mädchen unter Waffen - auf dem Weg in die Hölle Sie brechen auf, weil sie einer Lüge vertrauen: Tausende Jungfrauen, bewaffnet als Armee, Opfer einer teuflischen Verschwörung. Durch ein verwüstetes Land, über ein Meer voller Gefahren, ziehen sie in ihr Verderben. Piraten, Sklavenhändler, Schergen der allmächtigen Kirche sie alle wollen, dass keines der Mädchen sein Ziel erreicht. Nur eine steht zwischen ihnen und ihren gnadenlosen Feinden Saga, die Herrin der Lüge.
Inhalt: Der Herr der Lügen ist seit jeher ein anderer Name für den Teufel und das, was da in Saga haust, hat durchaus dämonisches Potenzial. Wenn in dem Menschen, den sie belügt, auch nur der kleinste Wunsch besteht, das zu glauben, was das Mädchen erzählt, müssen sie es ihr glauben.
Die Gräfin von Lerch will diese Macht ausnutzen und mit Sagas Hilfe ein Heer von Jungfrauen ins Heilige Land führen. Dafür hat die Gräfin ihre ganz eigenen Gründe und sie schreckt nicht davor zurück Saga zu zwingen, die Mädchen anzuführen. Dutzende, hunderte junger Frauen sterben auf dem Weg, doch für Saga gibt es längst kein zurück mehr.
Gleichzeitig folgt ihr Zwillingsbruder nach und versucht mühsam sie einzuholen, um endlich zu verstehen, was hinter der Sache steckt. So kommen die beiden einer Verschwörung auf die Spur, die weitaus größer ist, als sie sich je erträumt hätten.
Meine Meinung:
Der Beginn dieses historischen Romans ist vielversprechend. Der Leser befindet sich sofort mitten im Geschehen und läuft mit Saga über ein Hochseil während einer Gauklervorstellung. Wenige Zeit später befindet das Mädchen sich schon in der Gewalt der Gräfin Violante und die Geschichte beginnt sich jetzt das erste Mal zu ziehen. Wochenlang ist Saga eingesperrt ohne zu wissen warum.
Zu Beginn ihrer Reise kommt wieder Spannung auf, die auch dann wieder abebbt und man folgt dem Weg der Kutsche eher mühsam und schleppend. Dieses Auf und Ab zieht sich leider durch das gesamte Buch. Immer wieder gibt es Phasen großer Spannung und die Seiten fliegen nur so dahin, dann passiert wieder gefühlte Ewigkeiten nichts außer Alltäglichkeiten und Landschaftsbeschreibungen.
Interessant eingewoben in das historische Setting, das an einigen Stellen angepasst wurde, aber für einen Unterhaltungsroman trotzdem für mich noch nah genug und der damaligen Wirklichkeit bleibt, sind einige fiktive Elemente. Dazu gehört der Lügengeist, der in Saga wohnt und der auch teilweise ein Eigenleben führt, aber auch einige Knochenfunde, die auf Drachen schließen lassen, die einmal die Alpen bewohnt haben. Diese Prise Fantasy bringt etwas Würze in die Geschichte ohne die Historie allzu sehr durcheinander zu wirbeln.
Leider konnten mich die meisten Charaktere nicht überzeugen. Sagas Beweggründe im Verlauf der Geschichte sind nicht nur ihr selbst, sondern auch mir als Leser bis zum Schluss schleierhaft geblieben. Violante ist so fixiert auf ihr Ziel, dass sich in ihr kaum Gefühlsregungen ergründen lassen.
Dann tauchen immer wieder sehr stereotypische Charaktere auf. Violantes Sohn ist der unerzogene Rotzbengel, der nur weil es ihm so passt Sagas Zwillingsbruder Faun köpfen lassen will. Eine Söldnerin ist die typische Amazone, die am Ende heldenhaft im Kampf stirbt. Leider zu 0815. Nur der Söldnerführer Zinder konnte mich wirklich begeistern und überzeugen. Hier ist Kai Meyer ein konfliktreicher und authentisch wirkender Charakter gelungen.
Etwas irritierend war dann noch, dass die Geschichte um Sagas Zwillingsbruder und seine Begleitung oftmals viel interessanter und spannender war. Spätestens nachdem Zinder hier die Seiten gewechselt hat, mochte ich von Saga kaum noch lesen.

Fazit: Leider konnte mich das Buch alles in allem nicht überzeugen. Viel zu langatmig und ermüdend sind die meisten Szenen. Die guten Abschnitte konnten diesen Eindruck leider auch nicht mehr allzu sehr verbessern.
So kann ich leider nur 2 von 5 Sternen vergeben. 

Über den Autor: Kai Meyer wurde 1969 geboren. Er studierte Film und Theater und war zeitweise Redakteur bei einer Tageszeitung für Kultur und Vermischtes. Seit 1995 konzentriert er sich aber nur noch aufs Schreiben. Er hat inzwischen über 50 Bücher veröffentlicht.  Diese wurden in bis zu 28 Sprachen übersetzt.
Seine neusten und auch sehr erfolgreichen Werk ist die Arkadien-Reihe.
Hier geht es zur Homepage von Kai Meyer

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