Dienstag, 26. April 2011

[Rezension] Kai Meyer - Die Muschelmagier ****(*)

Autor: Kai Meyer
Titel: Die Muschelmagier
Reihe:
Wellenläufer-Trilogie
2. Die Muschelmagier 
3. Die Wasserweber
Seiten: 359
Verlag: 1. Loewe (die Ausgabe mit dem eher "erwachsenen" Cover
ISBN:  1. 978-3785565438
2. 978-3453533219
Preis: broschiert 9,95 Euro (beide Ausgaben)

Achtung! Rezension enthält Spoiler zu Band 1: Die Wellenläufer

Titel und Cover: Wie auch schon beim ersten Band gibt es wieder zwei Cover. Auf den eher kindlich gehaltenem Cover steht wieder Jolly im Mittelpunkt, was für mich noch eher zum Inhalt passt, als das Cover mit Globus und Ankerkette, obwohl die Bezüge zum Inhalt des Buches ohne weiteres gegeben sind.
Der Titel Muschelmagier passt gut in die Reihe, denn die Wellenläufer sind gleichzeitig die Muschelmagier der Geschichte.
Klappentext: Eine Nebelwand schützt Aelenium vor den Blicken der Welt. Die schwimmende Stadt in der Karibik ist Wächter des gefährlichen Mahlstroms, der in der Tiefe des Meeres lauert. Aber Aelenium hat versagt. Während hinter dem Horizont der Mahlstrom die See verschlingt, ruht die letzte Hoffnung auf den Wellenläufern. Jolly und Munk werden in den Korallenpalästen der Stadt auf den Kampf gegen den Mahlstrom vorbereitet. Doch Jolly sehnt sich zurück nach ihrem Leben als Piratin. Als Klabauterheere vor Aelenium aufmarschieren, beginnt für sie eine abenteuerliche Flucht. 

Inhalt: „Manche Legenden erzählen erfundene Geschichten, die trotzdem wahr sind. Andere wiederum lügen nur, wenn jene, die sie hören, die Ohren vor der Wahrheit verschließen. Und manche Geschichten – mögen sie noch so unwahrscheinlich, noch so verrückt und abwegig erscheinen – malen ein Bild von der Wirklichkeit, das diese an Schärfe und Wahrhaftigkeit um ein Vielfaches übertrifft.“
Die Muschlmagier – Seite 184

Jolly und Munk müssen nun den Kampf gegen den Mahlstrom und seine Bewohner aufnehmen. Doch Jolly wäre keine Piratin und nicht sie selbst, wenn sie zulassen würde, dass Fremde über ihren Kopf hinweg bestimmen. So macht sie sich auf ihren eigenen Weg und versucht ihren Ziehvater Bannon zu finden. Was sie entdeckt, entsetzt sie mehr, als sie ahnen könnte.
Zur gleichen Zeit versucht die Piratenprinzessin Soledad nicht nur ihren rechtmäßigen Platz als Kaiserin der Piraten einzunehmen, sondern die Piraten der gesamten Karibischen See davon zu überzeugen, dass sie einen gemeinsamen Feind haben. 

Meine Meinung:
Band 1 endet überaus spannend. Die beiden Quappen werden getrennt und Jolly bleibt mit Griffin auf offener See zurück. Etwas bedauernswert finde ich, dass der zweite Band diese Spannung nicht aufgreift, sondern einige Tage später einsetzt. Es folgt zwar schnell eine neue Situation, die den Kindern beinahe das Leben kostet, trotzdem war ich im ersten Moment etwas enttäuscht, dass es so einfach war, die Gefährten in Aelenium wieder zu vereinen.
Spannend und äußerst gelungen ist auch in diesem Band unsere kleine Jolly. Im Gegensatz zu Munk lässt sie sich nicht von ihrer Position als Retterin der Welt blenden. Sie möchte ihren eigenen Weg gehen und kann nicht zulassen, dass andere über sie bestimmen. Dabei geht sie auch keinem Streit aus dem Weg. Besonders zu nennen ist hier natürlich auch der Konflikt zwischen Munk und Griffin, der sich naturgemäß ausweitet. Ansprechend ist, dass Jolly ihre Entscheidung für die Liebe relativ früh im zweiten Band trifft. Oft zieht sich der Handlungsstrang um die Liebe bis zum Ende einer Reihe. Das scheint hier nicht so zu sein und gibt der Geschichte etwas Erfrischendes.
Wenn der Leser in Band 1 noch dauerhaft Jolly folgt, teilt sich der Handlungsstrang im zweiten Buch nun auf, sobald die Gefährten getrennt werden. So folgt der Leser Soledad zum Treffen der Piraten, Jolly, die ihren Ziehvater suchen will und Griffin, der ihr heimlich folgt und dabei eine beinahe unglaubliche Entdeckung macht. Trotzdem fühlt sich der Leser zu keinem Zeitpunkt verwirrt aufgrund vieler Handlungsstränge, denn diese werden rech zügig wieder zusammengelegt und da die Charaktere bekannt sind, hat man kaum Mühe sich in sie hineinzuversetzen.
Die Magie dieser Welt, die Kai Meyer erschaffen hat, ist etwas ganz Besonderes und ich habe mich sehr gefreut zu erfahren, dass die Quappen noch mehr können als über das Wasser zu laufen und etwas Magie zu wirken. Wasser ist ihr Element wie für uns Luft und so können sie damit auch ganz anders umgehen als der normale Mensch, doch hier soll nicht zu viel verraten werden.
Was mir in Band 1 etwas gefehlt hat, hier jetzt aber voll zum Tragen kommt, ist eine sehr ausdrucksstarke Sprache. Zu dem Beispiel das ich oben genannt habe, soll hier nun noch eines folgen: 

„Jolly spürte salzige Tränen auf den Lippen, und ihr fiel zum ersten Mal in ihrem Leben auf, dass Trauer genauso schmeckte wie die See.“
Die Muschelmagier S. 325

Fazit:
Alles in allem gelingt Kai Meyer mit diesem Roman eine gelungene Fortsetzung der Wasserläufer-Trilogie. Die Charaktere bleiben sich treu und entwickeln sich gleichzeitig weiter und die gefühlvolle und angepasste Sprache zieht den Leser in die Geschichte, wie es der Mahlstrom selbst wohl nicht besser könnte. Nur für den etwas enttäuschenden Anfang ziehe ich einen halben Stern hab.
So vergebe ich 4,5 von 5 Sternen.

Bild von: http://www.kaimeyer.com
Über den Autor:
Kai Meyer wurde 1969 geboren. Er studierte Film und Theater und war zeitweise Redakteur bei einer Tageszeitung für Kultur und Vermischtes. Seit 1995 konzentriert er sich aber nur noch aufs Schreiben. Er hat inzwischen über 50 Bücher veröffentlicht.  Diese wurden in bis zu 28 Sprachen übersetzt.
Seine neusten und auch sehr erfolgreichen Werke sind Arkadien erwacht und Arkadien brennt .
Hier geht es zur Homepage von Kai Meyer


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