Freitag, 3. Juni 2011

[Geschichte] Der schwarze Turm

Guten Abend zusammen,

heute möchte ich euch noch eine kleine Überraschung präsentieren. Ab sofort wird es von Zeit zu Zeit immer mal wieder eine kurze Geschichte oder Szene hier zu lesen geben. Und zwar aus eigener Feder. Aber nicht aus meiner. ;-)
Vallerian, mein Freund, schreibt auch hin und wieder und hat mich gefragt, ob ich nicht hier vielleicht mal einige seiner Werke veröffentlichen möchte. Da ich sie überaus gelungen finde, konnte ich natürlich nicht "nein" sagen. ;-)
Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem ersten Auszug und wir würden uns natürlich sehr über Meinungen und Kommentare freuen. 

Der schwarze Turm

  Flammen trieben die Dunkelheit an vielen Stellen flackernd zurück und offenbarten ein Schlachtfeld enormen Ausmaßes. Schreie, Gebrüll und das Klirren von Schwertern, die auf Rüstungen oder Ihresgleichen trafen, erfüllten die metallisch nach Eisen riechende Nachtluft. Die Zeit schien wie zäher Sand durch ein Stundenglas zu rinnen, während Eldrit nach Atem ringend  sich auf seine Klinge stützte und am Boden zwischen zwei ehemaligen Leibwachen Echvolds kniete. Er trug eine mit Kettengliedern verstärkte Lederrüstung, ein Kompromiss aus Gewicht und Schutz, das es ihm trotzdem erlaubte sich fließend zu bewegen um den Hatath zu tanzen, den Jahrhunderte alten Schwerttanz seiner Blutlinie, schnell und tödlich. Auf seinem mittlerweile beschmutzen und halb zerfetzten Umhang prangte noch immer das Wappen seiner Familie, eine blaue Schlange, die sich um eine silbrig-weiße Schwertklinge wandte und mit ihrem Kopf auf dem Schwertknauf ruhte, um den Betrachter aus schwarzen Augen heraus anzustarren.
  Er ließ seinen Blick über die vom Feuer erhellten Rüstungen der Kämpfer gleiten, die sich wellengleich um ihn herum bewegten und wieder und wieder aneinander brandeten. Während Eldrit sich erhob, musste er bitter erkennen, dass die Männer unter dem Banner Echvolds, dem schwarzen Turm, noch immer die Linien hielten. Er suchte und fand. Auf einem kleinen Hügel etwa einhundert Schritt entfernt erkannte er das Banner Cailles, den Blutroten Baum auf schwarzem Grund. Er musste Caille erreichen. Die Wogen des Kampfes hatten sie auseinander getrieben.
   Mit einem leichten Ruck zog er Kuroue, aus dem Boden. Die Reibung erzeugte dabei ein zischendes Geräusch, einer Schlange gleich, das den Kampflärm beinahe zu durchdringen schien. Wie passend, dachte Eldrit, als er seine Faust fester um den Schwertgriff schloss und er sich in Bewegung setzte. Mit jedem schneller werdenden Schritt schien sich auch die Welt um ihn herum wieder in normalem Tempo zu bewegen.
Er kam keine zehn Schritt weit und drei von Echvolds Männern blockierten seinen Weg, indem sie sich ihm brüllend entgegen warfen. Sie waren groß gewachsen und trugen mit Stahlplatten verstärkte Kettenrüstungen auf deren Brustplatten der schwarze Turm prangte.
  Der Hatath war für einen außenstehenden Betrachter ein sicherlich imposantes Schauspiel aus Geschwindigkeit, Eleganz und Präzision. Für den Gegner war der Hatath meist nur ein tödliches Schauspiel mit einer eher kurzen Rolle darin. Die Tatsache eine schwere Rüstung zu tragen, erhöhte seine Chancen keineswegs. Für Eldrit bestand der Hatath aus einer schnellen Abfolge von Analysen und daraus resultierenden Handlungen, die sein Körper nach jahrelangem Training fließend umzusetzen vermochte. Geschwindigkeit war der Schlüssel, je langsamer und schwerfälliger sein Gegner war, desto besser für Eldrit. Für jede Aktion gab es eine passende Reaktion. Paraden, Blocken, Riposten, Finten, jede Bewegung war darauf ausgelegt dem Gegner Aktionen zu entlocken, die Lücken in seiner Verteidigung provozierten.
  Eldrit tauchte in die drei Soldaten ein wie ein Schwimmer in einen Teich. Er gab sich dem Kampf hin. Er parierte einen Angriff, nutzte das Momentum um zwischen zweien der Soldaten hindurch zu schlüpfen, vollführte eine Drehung und stieß Kuroue an seiner rechten Seite vorbei, durch eine Panzerplatte in den Rücken eines der Soldaten. Es knirschte als Metall an Metall rieb und Eldrit die Klinge befreite. Die beiden verbliebenen Soldaten drehten sich herum und hieben weiter auf Eldrit ein, der jeden Schlag mit passender Reaktion konterte und dabei beide Soldaten las wie ein Buch. Wenige Augenblicke später fiel der zweite Soldat, als er die Wucht eines Schlags unterschätze und Eldrit diesen nicht konterte, sondern ihn durch eine Seitwärtsbewegung ins Leere gehen ließ. Kuroue fand sein Ziel und der Soldat ging röchelnd zu Boden. Noch bevor der Sterbende den Boden berührte stand Eldrit direkt vor dem letzten. Ungläubig blickte ihn der Mann aus graublauen Augen an, ließ seinen Blick nach unten gleiten und starrte auf das Stück der silbrig-weißen Klinge mit einem Schlangenleib als Gravur, das noch aus seiner Brust ragte und auf den Schlangenknauf, dessen Augen ihn zum Abschied schwarz anstarrten.


Bitte beachet bitte, dass es viel Aufwand ist, selbst Texte zu verfassen und diese Geschichte nicht ohne Einverständnis vollständig oder in Teilen anderweitig veröffentlicht werden darf.

1 Kommentar:

  1. Hey :)

    Ich muss sagen das hört sich sehr gut an. Auch die Schreibweise finde ich sehr schön. Es lässt sich sehr gut lesen. Ich würde mich über mehr freuen.

    Liebe Grüße
    Jessica

    AntwortenLöschen

Ich freue mich auf euren Kommentar!
Und verspreche: Ich werde sie alle beantworten :)