Mittwoch, 1. Juni 2011

[Rezension] Christoph Wortberg - Easy *****

Autor: Christoph Wortberg
Titel: Easy
Genre: Jugendbuch
Seiten: 238
Verlag: Beltz
Veröffentlichung: 28. Februar 2011
ISBN: 978-3407742414
Preis: 7,95 Euro


Ausstattung: Der Leser hält einen kleinen Taschenbuchband in den Händen, dessen Schrift verhältnismäßig groß ist, was ein schnelle Lektüre sehr unterstützt.
Das Cover zeigt einen Stuhl, einen Tisch, Steckdosen und ein Geschirrhandtuch. Die Möbel haben schon einige Gebrauchsspuren und wirken wenig gemütlich. Das hingeworfene Handtuch erinnert an das sprichwörtliche „Handtuch werfen“. So passt die dargestellte Szene sehr gut zum Inhalt des Buches, denn eben jene Einrichtungsgegenstände stellt man sich in einer Hochhaussiedlung, in der der Protagonist vor und seine Mutter ist diejenige, die das Handtuch wirft.
Der Titel klärt sich schon auf den ersten Seiten und ist ebenfalls passend. Die Großmutter des Protagonisten nannte ihn immer Easy. Gleichzeitig steht der Name im großen Gegensatz zum Inhalt, denn wie der Klappentext schon sagt. In dieser Geschichte ist nichts einfach.

Klappentext: Alles easy? Keinesfalls. Denn ab diesem Morgen ist plötzlich alles anders. Alex Mutter weigert sich aufzustehen. Alex weiß nicht, wo ihm der Kopf steht. Die Zwillinge haben doch heute ihren ersten Schultag! Mit genialen Ideen und seinem ganz eigenen Humor versucht sich Alex durch die Krise zu tricksen. Doch wie lange kann er die pingelige Frau vom Jugendamt noch hinhalten? Wann werden die Nachbarn misstrauisch? Und wo zum Teufel steckt eigentlich sein Vater?

Inhalt: Vor Kurzem ist Alexanders Großmutter gestorben, nun verliert seine Mutter noch den Job und zudem den Lebensmut. Am ersten Schultag der beiden Zwillinge steht sie einfach nicht mehr auf und es ist nun an dem 14-jährigen sich um die beiden Jungs, den Haushalt und alles Weitere zu kümmern. Er versucht auf seine ganz eigene Weise alles wieder gerade zu biegen, seiner Mutter wieder Arbeit zu beschaffen und gleichzeitig das Jugendamt auf Abstand zu halten

Meine Meinung:
Mich hat von Anfang an der Klappentext angesprochen, denn sofort wurde bei mir die Vermutung wach, dass diese Mutter an Depressionen leidet. Dies ist ein Thema, das bis heute immer noch zumeist nicht thematisiert wird. Ich war also neugierig, ob und wie es einem Jugendbuch gelingt mit diesem schwierigen Thema umzugehen.
Ich finde es gut gelöst, dass die Depression der Mutter zwar präsent ist, dabei als Thematik aber nicht der Dauerbrenner ist. Alex liest in einer Bibliothek etwas über diese Krankheit und dann wird der Leser kaum weiter damit konfrontiert, was die Medizin dazu sagt oder wie man sich am besten Verhalten sollte.
Stattdessen steht Alex mit seiner Gefühlswelt im Vordergrund. Es wird hervorragend dargestellt, wie er einerseits versucht für seine Brüder eine Art Vaterersatz zu sein, andererseits mit dieser Rolle aber maßlos überfordert ist und deswegen mal aus heiterem Himmel anfängt zu brüllen oder aber zu weinen. Besonders Alex ist als Charakter sehr schon herausgearbeitet und in allen Situation ist sein Verhalten durchaus verständlich. Das gleiche gilt aber auch für die Zwillinge und die Nebencharaktere. Gut gelöst ist auch, dass das Verhalten der Mutter eben oft nicht verständlich ist, denn dies lässt sich auf die Krankheit zurückführen.
Einige Szenen sind ziemlich harte Kost, denn der Junge muss einiges durchmachen, daher sollte die Altersempfehlung von 13-15 Jahren meiner Meinung nach keinesfalls unterschritten werden. Ich denke Jüngere hätten Probleme zu verstehen, was in diesem Buch passiert und warum sowohl Alex Mutter als auch er selbst in manchen Situation so handeln müssen, wie sie es eben tun.
Der Sprachstil ist an die Adressaten des Buches angepasst, aber dabei keineswegs zu locker. Wir erleben hier keine stilistischen Höhenflüge, die jüngere Leser eher abschrecken würde, sondern eine große Mündlichkeit, die ins Umfeld passt. Die Handlung wird mit dem Ich-Erzähler aus Alex Sicht beschrieben und es gelingt Christoph Wortberg eine angemessene Jugendsprache zu finden. 

Fazit: Ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden an einem Nachmittag verschlungen und kann es jedem ans Herz legen, der bereit ist, sich auf diese schwierige Thematik einzulassen. Außerdem werde ich es sicher als Empfehlung für meine Schüler in Alex Alter im Kopf behalten. 
Ich vergebe verdiente 5 von 5 Punkte.



Über den Autor: Christoph Wortberg wurde 1963 in Köln geboren. Er studiere Germanistik, Philosophie und Geschichte. Anschließend absolvierte er noch eine Ausbildung als Schauspieler und ein Gaststudium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.
Er ist  nicht nur Schriftsteller, sondern auch Drehbuchautor und Schauspieler. So schreibt er Drehbücher für viele bekannte deutsche Serien (Großstadtrevier, SOKO Köln, etc.)

Kommentare:

  1. Schöne Rezension. Ein Buch, das mich auch interessieren würde. Danke für den Tipp!

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  2. Hmm, das Buch klingt wirklich interessant - das kommt jetzt auf meine Wunschliste. Danke für die schöne und ausführliche Rezension, die mich wirklich neugierig gemacht hat! :)

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  3. Es freut mich sehr, dass euch die Rezension gefällt und sie Lust auf das Buch macht. Das hat die Geschichte nämlich wirklich verdient!

    Viele Grüße
    Asaviel

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  4. WIE ALT SIND DIE ZWILLINGE?

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    1. Das weiß ich leider nicht mehr auswendig und habe das Buch nicht verfügbar, kann daher auch nicht nachsehen.

      Grüße

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