Sonntag, 9. Oktober 2011

[Rezension] Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt *****

Autor: Andreas Steinhöfel
Titel: Die Mitte der Welt
Originaltitel:
Genre: Jugendbuch
Altersempfehlung: 12-16 Jahre
Seiten: 460
Veröffentlichung: 2000
ISBN: 978-3551353153
Preis: 8,95 Euro

Klappentext: Siebzehn Jahre lang lebt Phil zusammen mit seiner jungen Mutter Glass und seiner Zwillingsschwester Dianne ein ganz und gar unbürgerliches Leben in „Visible“, dem chaotischen, paradiesischen, aber auch bedrohlichen Haus seiner Kindheit. Doch jetzt ist er ist auf der Suche: Nach seinem Vater, seiner großen Liebe, nach einem Leben jenseits von „Visible“. Kurz, nach sich selbst. 

Meine Meinung:
Die gesamte Geschichte wird passenderweise aus Phils Perspektive geschildert. Er ist auch der einzige Protagonist, wobei es einige weitere wichtige Figuren gibt, die Phils Leben sehr beeinflussen. Dazu gehören natürlich Dianne und Glass, aber auch Phils erste große Liebe.
Auffällig beim Lesen sind die ständig wechselnden Zeitebenen. Phil erzählt uns aus der Ich-Perspektiv heraus seine Geschichte, nicht nur das, was gegenwärtig um ihn herum und mit ihm geschieht, sondern auch viele Gegebenheiten aus seiner Vergangenheit. So erfahren wir viel über das Verhältnis der Zwillinge früher oder aber auch über Glass Vergangenheit, zumindest über Phils Sicht auf das Leben seiner Mutter.
Gerade dadurch kann man sich gut in Phil hineinversetzen, denn man sieht in nicht nur als jungen Mann, der gerade in den Wirren des Außenseiter-Daseins, Schulalltag, Erwachsenwerdens und der ersten großen Liebe sich selbst sucht, sondern wir sehen ihn auch als kleinen Jungen im Tante-Emma-Laden stehen und auf ein Bonbon hoffen. Das macht ihn sehr greifbar, wodurch die späteren Erlebnisse, die diesen jungen Mann auch sehr erschüttern mir als Leser sehr ans Herz gingen.
Nicht nur der Protagonist, auch die anderen wichtigen Charaktere sind sehr fein gezeichnet mit all ihren Stärken und vor allem all ihren Schwächen. Lange Zeit bleibt Dianne ein Rätsel, doch sobald das Geheimnis um sie am Ende gelöst wird, wird auch ihr Verhalten klar und man versteht sie besser.
So befindet sich der Leser in einer spannenden Situation. Die Perspektive ist vollständig auf Phil gerichtet. Der Leser ist ihm nie voraus, was den Wissensstand angeht. Gerade dadurch ist man dann genauso erschüttert bei den Ereignissen wie er selbst.
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen und es finden sich dort viele Elemente, die zum Nachdenken anregen und wichtige Themen aufgreifen. Dies gilt nicht nur für Jugendliche, wobei die Geschichte sicherlich auch als Schullektüre gut geeignet ist. 

Fazit: Ein fesselndes Jugendbuch, das nicht nur die spezifischen Probleme eines homosexuellen Jugendlichen aufgreift, sondern auch darüber hinaus viele Themen betrachtet, die im Zuge des Erwachsenwerdens immer wieder eine Rolle spielen.
Ich vergebe 5 von 5 Punkte. 


Über den Autor: Andreas Steinhöfel wurde in Hessen im Januar 1962 geboren. Er wuchs in einer Kleinstadt mit zwei Brüdern auf und machte dort auch das Abitur. Nach dem Abschluss seines Studiums in Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften an der Universität Marburg erschien 1992 sein erstes Jugendbuch.
„Die Mitte der Welt“ war 1999 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Inzwischen wurde das Buch auch im Carlsen und ganz neu im Piper Verlag mit neuem Cover verlegt.

Kommentare:

  1. Dieses Buch steht schon ganz lange auf meiner Wunschliste - durch deine schöne Rezension bin ich überzeugt, dass ich es mir wohl jetzt endlich kaufen muss ;) Wie immer sehr gut und ausführlich geschrieben!

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  2. Die Mitte der Welt hat mir auch richtig gut gefallen. Nur das Cover der neuen Ausgabe finde ich ehrlich gesagt schrecklich- das geht ja gar nicht!

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