Freitag, 2. März 2012

[Rezension] Tanja Kinkel - Das Spiel der Nachtigall


Autor: Tanja Kinkel
Titel: Das Spiel der Nachtigall
Genre: historischer Roman
Seiten: 928 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Veröffentlichung: 2. November 2011
ISBN: 978-3426198186
Preis: 24,99 Euro

Klappentext: Brich alle Regeln. Mach Worte zu Waffen. Riskier dein Leben für die Liebe. Er liebt die Freiheit, die Frauen und das geschliffene Wort. Ende des 12. Jahrhunderts beginnt ein Mann, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu prägen: Walther von der Vogelweide raubt dem Minnesang die Keuschheit, spottet über Fürsten und klagt selbst Kaiser und Papst mit spitzer Zunge an, obwohl in dieser gefährlichen Zeit jeder ketzerische Gedanke den Tod bedeuten kann. Immer wieder kreuzt dabei eine ungewöhnliche Frau seine Wege: Die Ärztin Judith ist manchmal seine Gegnerin, manchmal seine Verbündete – und wie er immer entschlossen, die Welt zu verändern.

Meine Meinung:
Wenn man – wie ich – sich mit der deutschen Sprache beschäftigt. Sei es durch Studium oder rein Interessehalber, kommt man an diesem Mann nicht vorbei: Walther von der Vogelweide. Walther ist einer der bis heute berühmtesten Dichter seiner Zeit. Seine Zeit ist das hohe Mittelalter, also die Zeit um 1200. Wie Tanja Kinkel es in ihrem Nachwort sagt: Man weiß nicht viel über diesen Mann, lediglich viele seiner Gedichte wurde überliefert. Das macht ihn zu einer wunderbaren Romanfigur, denn die Autorin konnte Walther immer zur rechten Zeit das rechte Gedicht in den Mund legen.
Dies ist sehr gut gelungen. Immer wieder fließen Walthers Gedichte in die Handlung mit ein und werden von diesem vorgetragen. Sie nehmen teilweise wichtige Stellungen ein, denn sie sind es, mit denen Informationen überbracht werden oder aber die Gefühle in Worte fassen, die sonst keiner auszusprechen gewagt hätte. Dabei werden sie in einer Mischung aus gut verständlichen mittelhochdeutschen Wörtern und dem heutigen Hochdeutsch abgedruckt. Dies gelingt gut, ohne dass sie etwas von ihrem alten Zauber verlieren würden. Walther selbst wird teils als ziemlicher Rabauke dargestellt, teilweise entwirft er aber auch listige Pläne und es gelingt ihm trotz niederer Geburt viel in der Welt zu bewegen.
Aber nicht nur aus seiner Sicht wird uns die Geschichte, die sich über einige Jahre hinweg bewegt – inklusive einiger Zeitsprünge, erzählt. Judith ist die zweite Protagonistin. Sie ist nicht nur eine Frau und hat schon damit alleine einen schweren Stand in der damaligen Zeit. Sie ist außerdem Jüdin und Ärztin. Beides macht sie verdächtig. Judith hat aber einen festen Willen und kommt mit diesem und einem wachen Verstand auch durch jede brenzlige Situation.
Sie und Walther begegnen sich mehrmals, bevor wirklich eine Beziehung zwischen ihnen entsteht und das ist ein Bestandteil, der den Leser fesselt. Sie verlieben sich nicht Hals über Kopf und brennen durch oder ähnliches. Nein, zu Beginn ist ihnen diese Liebe sogar zuwider und sie verleugnen sie. Schön zu lesen, wie sie dann mal als Gegner, mal als Verbündete zusammenarbeiten oder auch gegenseitig intrigieren.
Wie in vielen historischen Romanen geht es aber um weit mehr als nur um die Liebe zweier Menschen. Wir befinden uns zur Zeit der Kreuzzüge, die viel Entbehrung und auch Leid mit sich bringen. Zudem enthält dieses Buch alles weitere, was man sich im Mittelalter vorstellt: Diverse Könige und Königskinder, ebenso wie Königinnen. Kämpfe, Kriege, Frieden und Friedensverhandlungen, Päpste und die Kirche. Die Mischung ist gut abgeschmeckt und aufeinander abgestimmt.
Den Kritikpunkt, den man äußern kann, muss man an der Glaubwürdigkeit ansetzen. Wie glaubwürdig ist es tatsächlich, dass zwei Menschen von niederer Geburt – eine Jüdin und ein Sänger – so sehr in das Weltgeschehen eingreifen können, dass sie Könige machen, Kriege anzetteln oder verhindern können? Hier möchte ich ein großes Fragezeichen setzen. Aber da Romane immer Fiktion sind, kann man über diesen Punkt auch relativ großzügig hinwegsehen. 

Fazit: Ein wirklich gelungener historischer Roman mit allen notwendigen Facetten, die ihn spannend und lesenswert machen. Die Hörbuch Variante von Audible weiß zudem noch durch eine glänzende Umsetzung zu brillieren, indem ein männlicher und weiblicher Sprecher eingesetzt wurden.

Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 1
Handlung: 2
Lesespaß: 2


Über die Autorin: Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, gewann bereits mit 18 Jahren ihre ersten Literaturpreise. Sie studierte in München Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und promovierte über Aspekte von Feuchtwangers Auseinandersetzung mit dem Thema Macht. 1992 gründete sie die Kinderhilfsorganisation "Brot und Bücher e.V", um sich so aktiv für eine humanere Welt einzusetzen anja Kinkels Romane wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt; sie spannen den Bogen von der Gründung Roms bis zum Amerika des 21. Jahrhunderts. (Quelle)



 
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1 Kommentar:

  1. Zu diesem Buch gibt es ja auch recht unterschiedliche Bewertungen. Mir persönlich hat die Geschichte auch sehr gut gefallen. Klar gibt es die ein oder andere Schwachstelle, aber im Großen und Ganzen wieder einmal ein sehr gelungener Roman aus der Feder einer wirklich lesenswerten Autorin :)

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