Mittwoch, 4. Juli 2012

[Rezension] Markus Heitz - Oneiros

Autor: Markus Heitz
Titel:
Oneiros - Tödlicher Fluch
Genre:
Horror
Seiten:
624
Verlag:
Droemer-Knaur

Veröffentlichung: 2. Mai 2012
ISBN:
978-3426505908
Preis: 14,99 Euro
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Kurzbeschreibung: In Leipzig hütet ein Bestatter ein grausames Geheimnis, in Minsk führt eine skrupellose Wissenschaftlerin tödliche Experimente durch, in Paris rast ein Airbus ungebremst in ein Flughafenterminal … Die Ermittlungen zu dem Unglück beginnen sofort – aber die Ergebnisse sind rätselhaft: Sämtliche Insassen waren schon tot, bevor das Flugzeug auf das Gebäude traf. Was die Polizei jedoch nicht herausfindet, ist, dass es einen Überlebenden gibt. Konstantin Korff, der Bestatter aus Leipzig, kommt diesem Überlebenden hingegen schnell auf die Spur, ebenso wie die Wissenschaftlerin – denn diese drei Menschen tragen denselben tödlichen Fluch in sich. Einen Fluch, der sie zu einer Gefahr für jeden in ihrer Umgebung macht …

Meine Meinung:
Zu Beginn sieht man sich dem Gegenüber, was schon beinahe als "typisch Heitz" bezeichnet werden kann. Es gibt nicht einen einzelnen Handlungsstrang. Nein, Heitz hat gerne viele Fäden in der Hand, die dann am Ende kunstvoll zusammengeführt werden müssen. So gibt es viele Charaktere, alleine drei Protagonisten in unterschiedlichen Orten der Welt. Sie alle haben ihre eigenen Ziele, Ansichten und Absichten. Insbesondere die Wissenschaftlerin und von dem Autor selbst als Anti-Heldin bezeichnete Kristin von Windau geht völlig skrupellos über Leiche, um ans Ziel zu gelangen. Dabei ist sie nicht unbedingt sympathisch, aber man lernt im Laufe der Zeit verstehen, warum sie auf diese Weise handelt und kaum eine andere Wahl hat. Der Geschichte fehlt ein wenig der absolute Sympathieträger. Konstantin Korff, der Bestatter, lässt den Leser nicht soweit an sich heran, dass er sich dazu mausern könnte. Es scheint über weite Teile so, dass man etwas auf Abstand gehalten wird. Und Bent Actander, nun ja... Was er der Menschheit antut, ist einfach zu erschreckend, um in ihm je den Helden einer Geschichte zu sehen. Es ist gut vorstellbar, dass einige Leser den Sympathieträger vermissen werden, denn nur wenige Geschichten kommen ohne ihn aus. 
Aber es gelingt der Geschichte anders zu überzeugen. Geschickt ist in die spannende Handlung, in der es viele Kampf- und Fluchtszenen gibt, die immer wieder auch äußerst brutal verlaufen, eine Todesmystik eingewebt. Mit Märchen über den Tod, die dem Volksglauben entnommen wurden, mit Zitaten zu Beginn der Kapitel und mit Edelsteinen, die den Tod anlocken oder ihn besänftigen sollen, wird es geheimnisvoll, ohne dass der Tod damit lächerlich oder kitschig dargestellt wird. Hierzu trägt vor allem bei, dass der Tod kein Gesicht erhält. Der typische Sensenmann ist für die meisten kaum noch gruselig. Dem Autor gelingt es anders das Nahen des Todes kenntlich zu machen und überzeugt auf diese Weise. 
Es ist schon angeklungen: Wir haben es hier mit einem Buch für Leser ab 18 Jahren zu tun. Die Geschichte ist erschreckend, brutal und oft auch gruselig. Es schockiert, was Menschen sich gegenseitig antun können. Am Ende gibt es auch eine Szene, die stark sexuell aufgeladen ist, mit der ich bis dato überhaupt nicht gerechnet hätte, die aber auch nichts mehr für jugendliche Leser ist. 
Markus Heitz gelingt dann ein sauberer Abschluss. Nachdem man viele verschiedene Charaktere kennen gelernt, sich in beinahe einem Dutzend Städten herumgetrieben hat und so viele Fäden, Informationen vermittelt wurden, wird am Ende alles zu einem großen Finale zusammengeführt. Ein Final, das Sinn ergibt und vollständig überzeugen kann. Es ist am Ende nicht alles gut, aber es ist befriedigend. Eine Rückkehr in die Welt der Todesschläfer ist nicht ausgeschlossen, aber diese Geschichte ist dafür in sich abgeschlossen, auch wenn der eine oder andere Faden erneut aufgenommen werde kann, um sich noch einmal an Korffs Seite mit dem Schnitter herumzuschlagen.

Fazit: Ein spannender Thriller, der mit seinem Szenario unter die Haut zu gehen weiß. Mit drei Protagonisten und einer Menge weiteren wichtigen Charakteren muss der Leser manchmal den Überblick behalten, wird dafür aber auf über 600 Seiten blendend unterhalten. Markus Heitz gelingt es sich selbst treu zu bleiben gleichzeitig neue Ideen und Elemente vorzuführen.


Gesamtnote: 2
Charaktere: 2-3
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1-2

Über den Autor: Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Kein anderer Autor wurde so oft wie er mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet, weshalb er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy gilt. Mit der Bestsellerserie um "Die Zwerge" drückte er der klassischen Fantasy seinen Stempel auf und eroberte mit seinen Werwolf- und Vampirthrillern auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt in Homburg.(Quelle)

Kommentare:

  1. Hm, du machst mir mit deiner Rezension richtig Lust mal wieder ein Markus Heitz Buch zu lesen. Hier gibt es eine (ohne Spaß) Videothek in der man es sich leihen kann. Vor allem mal wieder ein unverblümter Thriller mit viel Action und Spannung im Vergleich zu den Jugendbüchern...

    Ich denke mich würde es auch nicht stören wenn "Sympathieträger" fehlen. Solange der Rest des Buches dazu passt und für Ausgleich sorgt. (Hört sich in deiner Rezi aber wirklich danach an)

    Da hast du mich auf eine Idee gebracht!

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    1. Mich konnte es wirklich überzeugen, obwohl ich zu Beginn etwas zwiegespalten war. Ich mag Heitz, die Lesung war super. Aber ich hatte schon relativ viel Schlechtes darüber gelesen.
      Und wie du sagst: Es ist eben mal kein Jugendbuch. ;)

      Grüße
      Asaviel

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  2. Super geschrieben! Und es ist echt so brutal? Das mit der heftigeren Sex-Szene wundert mich etwas, weil das Heitz ja eigentlich nicht soooo thematisiert. Ja, da muss ich wohl auch iwann ran :-)
    Drücksi,
    Damaris

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    1. Brutal, naja... es ist schon an einigen Stellen gruselig und für das, was die meisten hier lesen (Jugendbücher) ziemlich brutal, was die eine so mit der Haarnadel anstellt und es gibt wirklich viele,viele,viele Tote.

      Die Sex-Szene hat mich auch völlig überrascht, weil man es von Heitz nicht gewohnt ist und sie kommt auch extrem spät. Sie passt aber rein und liest sich gut :)

      Drück
      Asaviel

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  3. Hallo, Asaviel.
    Solange der Sex nicht eingeklingt wird, weil sich mit "Oh-la-la-Szenen" offensichtliches Interesse fabrizieren läßt, ist es das Normale in der Literatur. Normal im Sinne, daß seit Jahren nicht mehr echauffiert auf moralische Rechthaberei bestanden wird.
    Meine allererste Begegnung mit der Erotik im Roman hatte ich bei "Es muß nicht immer Kaviar sein". Nichts Explizites, aber es warfen sich Fragen auf.
    Seither hat der Name "Chantal" eine besondere Note für mich

    bonté

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  4. Guten Tag,

    mein Sohn (14) möchte unbedingt dieses Buch lesen, ich glaube allerdings nicht, ob es etwas für sein Alter ist.
    Ab wieviel JAhren würden Sie dieses Buch empfehlen?

    Vielen Dank vorab.

    SB

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    1. Hallo,

      es ist kein Jugendbuch, das ist richtig.
      Ich persönlich habe aber auch in dem Alter angefangen "normale" Bücher, also Krimis und Thriller zu lesen. Etwas anderes ist "Oneiros" auch nicht.
      Ich persönlich würde es meinen Kindern in dem Alter wohl nicht verbieten. Sie sehen auch Gewalt im Fernsehen oder in Computerspielen und da ist es deutlich drastischer als in diesem Buch.
      Es gibt ja keine Altersbeschränkung bei Büchern. Würde dieses Buch 1 zu 1 verfilmt werden, wäre es aber wohl ab 16.

      Ich hoffe, ich konnte Ihnen helfen.

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