Samstag, 6. Oktober 2012

[Rezension] Andreas Eschbach - Herr aller Dinge

Autor: Andreas Eschbach
Titel:
Herr aller Dinge 
Genre:
Sci-Fi-Thriller
Seiten:
688
Verlag:
Bastei Lübbe
Veröffentlichung: 2. Auflage - 8 Dezember 2011
ISBN:
978-3785724293
Preis: 22,00 Euro
Kindle-Preis: 16,99 Euro
Auch als ungekürztes Hörbuch bei Audible erhältlich
Herr aller Dinge - bei Amazon

Klappentext: Als Kinder begegnen sie sich zum ersten Mal: Charlotte, die Tochter des französischen Botschafters, und Hiroshi, der Sohn einer Hausangestellten. Von Anfang an steht der soziale Unterschied spürbar zwischen ihnen. Doch Hiroshi hat eine Idee. Eine Idee, wie er den Unterschied zwischen Arm und Reich aus der Welt schaffen könnte. Um Charlottes Liebe zu gewinnen, tritt er an, seine Idee in die Tat umzusetzen und die Welt damit in einem nie gekannten Ausmaß zu verändern. Was mit einer bahnbrechenden Erfindung beginnt, führt ihn allerdings bald auf die Spur eines uralten Geheimnisses und des schrecklichsten aller Verbrechen ...

Meine Meinung:
Science-Fiction ist für mich meistens schon im allerersten Moment abschreckend. Zukünftige Technologien und dann vermutlich auch noch Außerirdische? Damit kann ich mich in den seltensten anfreunden. Dieses Buch wurde mir aber mehrfach ans Herz gelegt, als ich auf der Suche nach neuen Hörbüchern war. Na gut, es konnte ja nicht schaden, sich darauf einzulassen.
Als erstes war auffällig, dass man lange Zeit nach den echten Thriller-Elementen sucht. Ja, es ist eine Grundspannung da, aber diese fragt lediglich: Was soll das Ganze? Was hat es mit Hiroshis Idee auf sich, werden Charlotte und Hiroshi jemals ein Paar? Die Geschichte nimmt sich Zeit, viel Zeit sogar. Und obwohl das vielleicht gerade negativ klingt, ist es das nicht. Man kann sich so voll und ganz auf die Charaktere einlassen, lernt sie kennen und kann dann auch mit größeren Zeitsprüngen gut umgehen. Wir lernen die beiden Protagonisten ja als Kinder kennen und dann werden im weiteren Verlauf immer nur wichtige Lebensabschnitte näher beleuchtet. Zwischen den einzelnen Teilen liegen oft Jahre, aber das ist keineswegs stören, denn der Leser hatte zu Beginn der Handlung genug Zeit beide gut kennen zu lernen. Dabei wird man auf früh damit konfrontiert, dass nicht nur Science-Fiction, sondern auch eine Prise Fantasy in die Geschichte eingeflossen ist. Charlotte hat eine Fähigkeit, die anders nicht zu erklären ist.
Nachdem die Kindheit der beiden erzählt wurde, nimmt der Leser aber der Collegezeit auch immer wieder die Blickwinkel diverser Nebencharaktere ein. Es fiel mir nicht immer ganz leicht den Überblick zu behalten, wer davon nun wer war und bei jedem Sprung zu diesen Nebencharakteren, brauchte ich einige Minuten, um sie in den Gesamtkontext einzuordnen.
Nur zu gerne springt Andreas Eschbach von einem Charakter zum nächsten, wenn die Spannungskurve gerade am höchsten ist, wenn Charlotte gerade etwas Wichtiges erfahren oder Hiroshi etwas entdeckt hat. Der Leser erfährt noch, dass es etwas Neues gibt, aber nicht mehr, was es ist. Teilweise wird an genau diesem Punkt ein Zeitsprung eingebaut, sodass man sich erst im Nachhinein zurechtlegen kann, was wirklich passiert ist. Dadurch entsteht auch bei dieser großen Seitenanzahl immer wieder ein Pageturnereffekt. 
Über weite Teile der Handlung spielt Technologie, genauer Nano-Technologie eine große Rolle. Ich kann von mir behaupten, auf diesem Gebiet keine Ahnung zu haben. Aber selbst als Ahnungslose konnte man auch diese Passagen gut lesen und das sogar mit dem Gefühl zu verstehen, was Hiroshi dort erklärt. Dieses hochkomplexe Thema wird also laienfreundlich aufgearbeitet. Natürlich kann ich keine Aussagen über die Richtigkeit der Angaben treffen oder ob es möglich ist, was Hiroshi vorschwebt.
Action und ein hohes Maß an Spannung kommt dann einmal im Mittelteil und vor allem im letzten Drittel der Geschichte auf. Hier scheinen sich die Ereignisse dann fast zu überschlagen. Darauf hat man gewartet und wird nicht enttäuscht. Als Hörbuch-Hörer kann man nun kaum noch den Pause-Knopf drücken und verfolgt beinahe atemlos das Geschehen bei Charlotte und Hiroshi.
Schon ab der Hälfte des Buches habe ich mich immer wieder gefragt, wie das alles denn enden soll, wie man hier denn ein gutes, ein passendes Ende herbeiführen kann. Am Ende bin ich begeistert über die Konsequenz und die gerade Linie, die Andreas Eschbach eingeschlagen hat. Dies ist das einzig mögliche Ende, es werden keine Kompromisse eingegangen und der Leser wird dabei nicht geschont. Nur so wie es hier ist, kann man am Ende zustimmend nicken und befinden, dass das Buch mit einem würdigen Ende abgeschlossen wurde. Hut ab.

Fazit: Ein Buch, das mich damit, dass es mich überzeugen konnte, überrascht hat. Hier findet sich ein Thriller, der die Lebensgeschichte zweier Menschen erzählt und dabei nur langsam Fahrt aufnimmt und trotzdem den Leser von Beginn an zu fesseln versteht. Das ist ungewöhnlich. So ungewöhnlich wie die Geschichte, die erzählt wird. Man muss sie selbst gelesen oder gehört haben, denn sie lässt sich nicht mit wenigen Worten zusammenfassen.


Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 1
Handlung: 1-2
Lesespaß: 2

Über den Autor:
Eschbach studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, schloss dieses Studium jedoch nicht ab, sondern arbeitete als Softwareentwickler und Unternehmer, bis sein Erfolg als Schriftsteller es ihm erlaubte, sich auf das Schreiben zu konzentrieren.
Seit 2003 lebt er mit seiner zweiten Frau Marianne Eschbach in der Bretagne. Eschbach wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet und ist einer der bedeutendsten europäischen Science-Fiction-Autoren. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors (Auswahl):  
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Kommentare:

  1. Gut das es dir gefallen hat :D
    Es liegt nämlich seit Monaten ungelesen auf meinem Nachttisch da bin ich immer froh, wenn positive Rezis erscheinen. Vielleicht fang ich ja demnächst an :D
    Ich durfte Andreas Eschbach in meinem Kaff von zu Hause bei einer Lesung erleben und es war einfach nur toll! Er kann nicht nur gut schreiben sondern auch gut (vor-)lesen und hat die gelesenen Passagen gut rübergebracht.
    Gelesen hab ich von ihm bis jetzt nur "Der Nobelpreis" welches nicht schlecht aber oft sehr verwirrend war. Nun warten neben "Herr aller Dinge" noch "Ein König für Deutschland" und "Eine Billion Dollar".

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    1. Ich kenn von ihm "Eine Billion Dollar" "Der letzte seiner Art" und "Das Jesus-Video" auch noch. Seine Ideen waren immer schon aufwändig und unglaublich, aber hier hat er sich wirklich selbst übertroffen.

      Ich wünsch dir viel Spaß :)

      Grüße
      Asaviel

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  2. Finde ich schön, dass wir hier ziemlich einer Meinung sind ^_-
    Lg^^

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    1. Ja,
      nach dem Schreiben musste ich auch Schmunzeln und an deine Rezi denken. Passt gut zusammen :)

      Grüße
      Asaviel

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  3. Hört sich ziemlich gut an und wäre vielleicht was für meinen Schatz zu Weihnachten. Er liebt die Eschbachbücher:). Ich selbst habe nur Eine Billionen Dollar gelesen und fand die Idee großartig, aber das Ende etwas enttäuschend. Aktuell interessieren mich seinen (noch relativ neuen) Jugendbücher besonders (Hide Out & Co.). Mal gucken, wann ich da zu komme.

    Was ich noch fragen wollte: Wie gefällt dir Flammen über Arcadion bisher? Habe es als Reziexemplar leider nicht bekommen und will es mir baldmöglichst selber holen. Ist aber auch als ebook ganz schön teuer...

    Bezüglich Otherland antworte ich mal kurz hier: Die Bücher verdienen es auch, mit einer gewissen Ruhe gelesen zu werden. Also lass dir ruhig Zeit. Es dauert ja schon alleine, bis die Bücher in Schwung kommen und man überhaupt erst mal alle Personnen kennen gelernt hat. Besonders toll finde ich ja, dass es in den Büchern einen der perfidesten und gemeinsten Bösewichte gibt, von denen ich überhaupt je gelesen habe. Du wirst schnell merken, wen ich meine, wenn du dann mal angefangen hast;).

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    1. Hey :)
      Ja, die Jugendbücher interessieren mich auch. Bis zu dieser Rezension wusste ich aber gar nicht, dass er welche schreibt. Aber da möchte ich auch gerne mal schauen.

      @Arcadion: Ich bin jetzt ca. bei der Hälfte. Es gefällt mir ganz gut bisher. Die große Begeisterung hat mich noch nicht gepackt, aber es ist ein gutes Buch. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich die Reihe im Regal stehen haben möchte. Das entscheidet sich am Ende des Buches, dann kann ich mich ja mal melden ;)

      @Otherland
      Du machst mich ja schon neugierig. ;-)

      Grüße
      Asaviel

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  4. Grüß Dich Asaviel.
    Zum Glück ist SF in ihrer Thematik reichlich breit angelegt. Man/frau kann auch ohne Technikgeschwurbel oder Aliens hochinteressante Stories lesen. Faszinierende Entwicklungen menschlicher Zukunfstgesellschaften, deren Auswirkungen auf die Humanität. Und selbst wenn eine erfundene Technologie am Ausgangspunkt steht, kann ein komplexer Blick auf sich entwickelnde Charaktere im Zentrum stehen. Wie eben hier bei Eschbach.

    Freut mich jedenfalls, daß Dir der Roman gefallen konnte!

    bonté

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    1. Ich glaub, ähnliches hattest du schon mal geschrieben.
      Aber hier nimmt die Technik trotz allem einen großen Raum ein, auch wenn die Entwicklung der Charaktere natürlich oft beleuchtet wird. Naja, es hat mir trotzdem gefallen.
      Darauf kommt es an.

      Grüße

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    2. Ups...sory, wenn ich mich hier wiederholt habe. War die Absicht nicht. :-)

      bonté

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  5. Tolle Rezi =) "Herr aller Dinge" subt bei mir seit Jahresbeginn. Kann eigentlich alle Bücher von Eschbach empfehlen, er schreibt immer diese "Was wäre wenn ..."-Romane. "Eine Billion Dollar" von ihm gehört zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Ein Autor, den die Bloggerwelt unbedingt mehr in den Vordergrund stellen sollte :-)

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    1. Hörbücher haben bei mir gar nicht die Chance lange zu subben. Ich häng bei dem monatlichen Hörbuch, das ich bekomme zwar immer noch hinterher, aber hab inzwischen gut was aufgeholt. :-)
      Aber länger als 4-5 Wochen bleiben die nicht unangetastet, sondern werden der Reihe nach weg gehört.
      Thriller sind ja sowieso nicht ganz so beliebt bei den meisten Bloggern. Fantasy steht da halt doch im Vordergrund ;)

      Grüße
      Asaviel

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  6. Hi

    Also was SI-FI angeht so gesteh ich, lese ich diese Bücher eher sehr selten oder rein gar nicht. Da sind mir die Serien meist lieber. Nun ich hatte eher ein anderes Buch gelesen dass eher ein Mix aus Fantasie und SI-FI. Nichts desto trotz denke ich mal werden wir sehen wie es in Zukunft mit dem SI-FI weiter geht in unserer Welt. Solange die Bücher nicht befremdlich wirken alles ok. Liebe Grüße Anni

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  7. Danke für diese Rezension, die nicht zu viel verrät! Das ist eine gute Anregung, welchen "Eschbach" ich als nächstes lesen könnte! Ich war schon vom Jesus-Video und von der Billion Dollar und auch vom "König von Deutschland" sehr angetan.

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