Sonntag, 30. Dezember 2012

[Rezension] Alex Adams - White Horse

Autor: Alex Adams
Titel:
White Horse
Originaltitel:
White Horse
Reihe:
White Horse
1. White Horse
2. Red Horse (englischer VÖ: August 2013)
Genre:
Dystopie
Seiten:
448
Verlag: 
Piper
Veröffentlichung: 10. September 2012
ISBN:
978-3492702522
Preis: 16,99 Euro
White Horse - bei Amazon

Klappentext:
Eine Welt, die alle Hoffnung verloren hat. Eine junge Frau, die ihr ungeborenes Kind beschützen muss. Ein uraltes Geheimnis, das für uns alle zur tödlichen Gefahr wird … Dies ist die Legende vom Ende unserer Welt – und unserer Zukunft danach. Fesselnd erzählt in Vor- und Rückblenden, wurde »White Horse« über Nacht zum Bestseller.
Die junge Zoe entdeckt in ihrer Wohnung ein merkwürdiges Glasgefäß, dessen Herkunft sie sich nicht erklären kann. Es enthält ein furchtbares Geheimnis. Denn als Zoe den Behälter öffnet, breitet sich eine geheimnisvolle Seuche aus, »White Horse«. Unzählige Menschen sterben, das Ende aller Zeiten scheint gekommen. Zoe verliert nicht nur ihre Familie, sondern auch ihren geliebten Nick, der verschwunden ist. Und sie stellt fest, dass sie von ihm schwanger ist. Auf sich allein gestellt, zählen für Zoe bald nur noch zwei Dinge – wird sie Nick wiederfinden, um das Geheimnis von »White Horse« zu lüften? Und wie kann sie ihr ungeborenes Kind in einer Welt beschützen, die dem Tod geweiht ist?

Meine Meinung:
"Verwesung hat ihren ganz eigenen Geruch. Sie ist der Straßenräuber unter den Gerüchen, schlägt dir voll ins Gesicht, boxt dich in den Magen und haut mit deiner Brieftasche ab, während du noch taumelst und vor dem Gestank zurückweichst." (Seite 50)
Als ich dieses Buch aufgeschlagen habe, war ich mir zuerst nicht sicher, ob ich es eventuell mit einem Jugendbuch zu tun habe, denn viele der Dystopien, die gerade auf den Markt kommen oder in nächster Zukunft noch erscheinen, sind eben dies: Jugendbücher. 
Nach den ersten 25 Seiten war mir aber schon klar, dass dies nicht für Jugendliche geeignet ist. Brutalität, Mord, Gewalt und Vergewaltigung sind schon auf den ersten paar Seiten eher die Regel als die Ausnahme. Der Leser sollte also kein allzu zartes Gemüt mit sich bringen. 
Sehr gut gelungen ist, dass die Geschichte von Beginn an spannend ist. Durch einen ständigen Wechsel zwischen "Damals" und "Heute" werden mit der gleichen Protagonistin zwei Handlungsstränge erzählt, die beide sehr spannend sind, sodass ich im gesamten Verlauf der Geschichte keinen favorisierte Zeit hatte. 
Die Charaktere sind fein ausgearbeitet und der Autorin gelingt es hervorragend dem Leser die Ausnahmesituation zu schilden, in der sich die Personen befinden und somit kann sie auch deutlich die menschlichen Abgründe aufzeigen, die sich nach und nach auftun, wenn die Welt aus den Fugen gerät und jede Gesellschaftsordnung sich aufgelöst hat.
Der Schreibstil ist flüssig und dem Thema angepasst. In eher kurzen und meist sehr prägnanten Sätzen werden die Szenen klar und deutlich geschildert. Nur selten werden fast hochtrabende philosophische Fragen aufgeworfen, die nach Antworten verlangen, denen eben diese aber eher vorenthalten werden. Der Leser muss selbst für sich versuchen Entscheidungen zu treffen und sich für den einen oder anderen Charakter, für die eine oder andere Handlung entscheiden.
Die ersten 150 Seiten habe ich regelrecht innerhalb kürzester Zeit verschlungen, danach lässt diese Dystopie leider nach. Es passiert kaum etwas Neues, wenig Überraschendes und es sieht oft beinahe nur noch nach einem Gemetzel mit viel Blut und sehr viel Gewalt aus. Es gibt einige Tote zu beklagen, aber emotional konnten mich diese nicht wirklich erreichen, was dann natürlich auf Kosten des Lesespaßes geht.
Das Ende ist in Ordnung und da man weiß, dass es Folgebände gibt auch nicht überraschend, dass es einen Cliffhanger gibt. Ich hätte mir gewünscht, dass der Cliffhanger nicht erst im letzten Abschnitt eingebaut wird und damit der Leser beinahe völlig überrascht wird.
"Schwach, ganz schwach wird mir bewusst, dass mein Verstand verschüttgeht, dass ich mit einem Fuß in einer Irrenanstalt und mit dem anderen in einer Pfütze Blut stehe. Wie viel kann der menschliche Geist ertragen, ehe er zerbricht?" (Seite 299)
Fazit: Eine Dsytopie, die sich ganz klar an ein erwachsenes Publikum richtet, da das große Brutalitätspotenzial nicht für ein jugendlichen Leser geeignet ist. Nach einem sehr starken Beginn, der viel Spannung mit sich bringt, lässt die Geschichte nach 150 Seiten leider deutlich nach. Alles in allem eine Dystopie, die keine Zeitverschwendung ist, aber auch kein unbedingter Lese-Muss.

Gesamtnote: 3
Charaktere: 2-3
Handlung: 3
Lesespaß: 3
Über die Autorin:  Alex Adams wurde in Auckland, Neuseeland, geboren und lebte in Australien und Griechenland, bevor sie nach Portland, Oregon, auswanderte. »White Horse« ist ihr erster Roman. (Quelle)

Kommentare:

  1. Salut, Asaviel.
    Nicht wenige Dystopien scheinen sich vornehmlich mit der Darstellung von Gewalt oder Greuel bis zum zweiten Buchdeckel zu schlagen. Dabei kann die Psyche einer Figur noch intensiver für Lesespannung sorgen. Es müßte ja nicht sofort "The Road" sein...
    Gut, Jugendbücher versuchen auf der "direkteren" Ebene zu funktionieren.
    Wobei Du festtellen durftest, daß die Gewaltstufe just zu exzessiv angesetzt ist.

    Eine Gedanken anregende Rezi.

    bonté

    AntwortenLöschen
  2. Ich finde ja gar nicht, dass "White Horse" eine reine Dystopie ist, denn mir fehlt so ein bisschen dieser Kontrollcharakter der Gesellschaft. Klar entwickeln sich die Menschen aufgrund der Ereignisse, der Ängste, die sie durchstehen müssen in eine negative Richtung, aber eben vermischt mit anderen Dingen.
    Diesmal sind wir uns nicht ganz so einig wie sonst, denn ich fand das Buch durchgängig richtig spannend, denn die Geheimnisse bekommen wir ja nur so Stückchenweise vorgeworfen.
    Was ich bei dir gerade gelesen habe, was bei mir fehlt ist dass die Menschen sich echt in solch einer Situation verändern und echt die niedersten Instinkte auftreten. Das hat mich auch richtig schockiert, aber ich kann nicht sagen, dass mir das Buch zu brutal war.
    Auch das Ende empfinde ich nicht als Cliffhanger, eher als Spielraum für eigene Interpretationen. In "Red Horse" (Band 2) wird es wohl erst mal um andere Protagonisten gehen. Ob ich das gut finde weiß ich noch nicht so genau ...
    Ich mag es ja total gern, wenn Bücher auf unterschiedliche Leser so unterschiedlich wirken :)

    Liebe Grüße Nanni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey :)
      Ja, du hast Recht. Der Kontrollcharakter fehlt im Prinzip komplett. Das habe ich bei der Rezi gar nicht bedacht.

      Hm ja. Oft sind wir ja fast gleicher Meinung bei Büchern. Ich hatte gestern schon deine Rezi gesehen und schon bemerkt, dass es anders ist dieses Mal, aber gut. Das ist ja auch mal ganz nett. ;-)

      Ich glaube nicht, dass ich die Reihe weiter verfolgen werde, muss ich ehrlich sagen. Dafür gibt es inzwischen zu viele Reihen, die man so liest. :)

      Liebe Grüße
      Asaviel

      Löschen

Ich freue mich auf euren Kommentar!
Und verspreche: Ich werde sie alle beantworten :)