Dienstag, 11. Dezember 2012

[Rezension] Lia Hills - Leben ist auch keine Lösung

Quelle
Autor: Lia Hills
Titel:
Leben ist auch keine Lösung
Originaltitel:
The Beginner's Guide to Living
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
256
Verlag:
Beltz & Gelberg
Veröffentlichung: 9. Juli 2012 (Lizenzausgabe)
ISBN:
978-3407743572
Preis: 8,95 Euro
 

Inhalt: Auf der Beerdigung seiner Mutter verliebt sich Will zum ersten Mal. Tod – Liebe: Wie kann das so selbstverständlich nebeneinander stehen? Überfordert vom emotionalen Chaos in Herz und Kopf stürzt sich Will in die Philosophie. Die Suche nach Antworten und einem Plan für diesen Irrgarten, der sich Leben nennt, macht ihm eines klar: Es gibt keine endgültige Wahrheit, keine Lösung. Außer der ersten großen Liebe …
Eine wunderschöne Geschichte voller ergreifender Gedanken über die großen Fragen des Lebens und die kleinen unbeschwerten Momente, die es unsterblich machen. (Quelle)

Meine Meinung:

Ich habe letzten Donnerstag um 16 Uhr 27, in dem Augenblick, in dem meine Mutter Anna Ellis starb, nicht das Geringste gespürt. (Seite 7/8)

 Diese Geschichte setzt genau zu dem Zeitpunkt ein, zu dem Wills Mutter stirbt. Der Leser ist nicht dabei, denn er folgt ausschließlich Will, denn es wird immer aus seiner Perspektive erzählt. So wird eben auch aus seiner Sicht erzählt, dass er nichts gespürt hat, als seine Mutter plötzlich aus dem Leben gerissen wurde.
Natürlich steht nun die Frage offen: Wie soll ein Jugendlicher in diesem Moment weiterleben. Der Verlust schmerzt so sehr, dass Will ihn körperlich spürt. Aus dieser Grundkonstellation muss sich natürlich ein sehr nachdenkliches Buch ergeben, das den Leser ganz schnell in eine melancholische Stimmung versetzt, denn es gelingt nur allzu leicht mit dem Protagonisten mitzufühlen.
Der Schreibstil ist der Sprache des jungen Mannes angepasst. Jugendlich, nachdenklich und es schwingt etwas verzweifeltes darin mit, wenn dem Leser nur Gedankenfetzen und sehr kurze Absätze präsentiert werden. Es gibt viele weise Sätze in diesem Buch, die nicht nur aus Zitaten bestehen, sondern uns auch als Wills Gedanken und Wills Notizen präsentiert werden. Nicht nur, aber gerade auch Menschen, Jugendliche, die einen Verlust erlitten haben, werden sicher hier eine Möglichkeit erhalten neue Kraft und neuen Mut zu schöpfen, ohne das Gefühl zu haben, dass der Moralapostel mit erhobenen Zeigefinger hinter ihnen steht.
Denn Will schwankt zwischen zwei Extremen. Einerseits stellt er die existenziellen Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Sinn des Seins und sucht die Antworten auch bei den großen Philosophen. Aus diesem Grund gibt es auch von diesen diverse Zitate, die oft nicht auf Anhieb zu verstehen sind. Für sie muss man sich auf jeden Fall Zeit lassen. Andererseits macht Will viel Unsinn, um zu spüren, das er noch lebt. So spielt auch Sexualität und der Umgang mit Sexualität eine große Rolle, während über der gesamten Szenerie die Frage schwebt, wie er weiterleben soll.
Zusätzlich spielt auch die restliche Familie, also Wills Vater und sein Bruder eine Rolle. Beide gehen sie ganz anders mit dem Verlust um als der Protagonist und dies erschwert für ihn natürlich die Situation zusätzlich. 
Dies ist nicht nur eine Geschichte über den Tod und über den Verlust, den jeder Todesfall in das Leben der Zurückgebliebenen reißt. Nein, es ist eben eine Geschichte auch über das Leben und über die Liebe. Auf wenigen Seiten werden viele Gefühle nicht nur angesprochen, sondern auch im Leser geweckt. So geht das Geschehen ans Herz und teilweise muss sich sicher der eine oder andere auch eine Träne wegwischen.
Natürlich kann es am Ende kein klassisches Happy End geben, denn Wills Mutter ist schließlich immer noch tot, aber es ist ein versöhnliches Ende eines sehr nachdenklichen Buches. Innerhalb weniger Stunden sind die 250 Seiten für den geübten Leser beendet. Danach konnte ich nicht sofort in eine neue Geschichte eintauchen, denn vorher wollte diese verarbeitet werden.
"Dad?"
"Ja, Will?"
"Was ist für dich das Schlimmste an Mums Tod?"
Einen Moment lang ist es, als hätte ich gar nichts gesagt, aber dann schaut er von dem frischen Weinfleck auf, durch den er gerade mit dem Finger gefahren ist. "Dass ich nicht zuerst gestorben bin." (Seite 115)

Fazit: Eine Geschichte über Tod und Verlust, aber auch über Leben und lieben. Der Protagonist schwankt zwischen Extremen und sucht zwischen Philosophen und der eigenen Sexualität nach dem Sinn des Lebens. Von dieser Geschichte wird der Leser sofort in den Bann geschlagen und kann mit diesem Jungen fühlen, der viel zu früh seine Mutter verliert. Definitiv lesenswert.

Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 2
Handlung: 1-2
Lesespaß:1

Dieses Buch ist etwas für dich, wenn dir folgende gefallen haben: 





Über die Autorin: Lia Hills wurde in Neuseeland geboren und lebt heute mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Australien, außerhalb von Melbourne. Die junge Schriftstellerin und Übersetzerin, die zeitweise auch als Journalistin und Lehrerin tätig war, schreibt unter anderem fürs Theater und Ballett und verfasst Gedichte. Einige ihrer Werke wurden bereits international veröffentlicht. Leben ist auch keine Lösung ist ihr erster Roman für junge Erwachsene. (Quelle)

Kommentare:

  1. Absolut super!
    Ich kenne das Buch und hätte es nicht besser sagen können!

    Falls du mal Lust hast dir meinen Roman anzusehen, meld dich bei mir und ich schick dir eines der ersten Exemplare zu!

    Viele Liebe Grüße

    Justine
    http://justinewynnegacy.blogspot.de/

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    1. Freut mich, dass ich mit der Rezension überzeugen konnte :)

      Grüße
      Asaviel

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  2. Grüß Dich Asaviel.
    Der Tod ist in der irdischen Geschichte an noch keiner Gesellschaft ohne tiefgehende Eindrücke vorbei gegangen. Nicht selbst als endgültiges Erlebnis nachvollziehbar, webt sich um dieses Ende des Seins eine gewaltige Menge an Vorstellungen. Wohl auch darin begründet, daß jeder einen ihm wichtigen Menschen zu vermissen beginnt.
    Viele erzählen vom Leben nach einem Tod - definitiv ist aber nichts. Wir glauben nur an das eine oder andere.

    Liebe ist dann wohl das Gegenmittel, das wir uns geben können. Nicht immer, denn die Tragik ist eine Sense, die manchem nicht viel gönnt.

    Bevor ich zu essayistisch werde... :-)

    bonté

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