Samstag, 27. Oktober 2012

[Rezension] Alexey Pehov: Die Chroniken von Hara 2 - Blitz

Quelle
Autor: Alexey Pehov
Titel:
Blitz
Reihe:
Die Chroniken von Hara
1. Wind
2. Blitz
3. Donner (noch nicht erschienen)
Genre:
High-Fantasy
Seiten:
448
Verlag:
Piper
Veröffentlichung: 9. Oktober 2012
ISBN:
978-3492702744
Preis: 16,99 Euro
Kindle-Preis: 12,99 Euro
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Inhalt:
Die Windsucherin Lahen gerät in einen Sturm, der all ihre Kraft fordert: Zusammen mit ihrem Gefährten Ness befindet sie sich in der Gefangenschaft der Schreitenden, die nach sieben Jahren endlich Rache an den beiden Meuchelmördern nehmen wollen. Sie erwartet der Tod – und Lahens einzigartiger Funke soll ein für alle Mal ausgelöscht werden. Doch dann schlägt ihnen die Mutter der Schreitenden einen Handel vor: Die Todgeweihten werden verschont, wenn sie ins Regenbogental ziehen und Lahen ihre Magie zum Wohle der Schreitenden einsetzt. Der Weg dorthin birgt zahlreiche Überraschungen, und während sich Freunde in Feinde verwandeln und Gegner zu Verbündeten werden, muss Lahen eine wichtige Entscheidung treffen – und schließlich ihren Geliebten Ness mit einer gefährlichen Wahrheit konfrontieren … (Quelle)

Meine Meinung:
"Es sind unsere Ängste, aus denen wir Menschen uns unsere eigenen Ketten schmieden, oft genug sogar, ohne je in Erfahrung zu bringen, ob das, was wir fürchten, wirklich so schlimm ist. Deshalb schärfte er ihr ein: Lass dich nie durch deine Ängste fesseln..." (Seite 102)
Auch wenn es schon einige Monate her ist, dass man sich mit Ness und Lahen auf eine Reise begeben hat, findet man sich als Leser doch schnell wieder zurecht. "Blitz" setzt genau dort ein, wo "Wind" endet. Die Charaktere haben keinen Standortwechsel vollzogen und so hat man kurz Zeit sich zu orientieren. 
Es sind die bekannten Perspektiven, die wieder eingenommen werden. Ness erzählt seine Geschichte aus der Ich-Position heraus, Thia und Luk verfolgt der Leser in der gewohnten Er-Perspektive. Diese Protagonisten, aber auch alle Charaktere, die um sie herum zu finden sind - Lahen, Shen, Ga-nor; um nur einige wenige zu nennen - werden im Vergleich zum ersten Band weiter vertieft. Man lernt sie besser kennen und sie erhalten in ihrem Charakter und ihrem Handeln viele neue Schattierungen. Wer bis hierhin davon ausging gut und böse könne man in der Geschichte gut auseinander halten, wird überrascht werden. Die Guten und Bösen werden kräftig durcheinander gewirbelt und in Frage gestellt. 
Zu Band 1 stellt dieser Nachfolger klar eine Steigerung dar. Nicht nur, dass die Charaktere noch besser, noch intensiver dargestellt werden, auch die Handlung kommt etwas in Schwung. Bei "Wind" hatte ich durchgängig das Gefühl so etwas wie einen Prolog, einen langen ersten Einführungsband zu lesen. Hier passiert in "Blitz" nun mehr. Dabei ist nie erkennbar, wie das Gesamtbild aussehen soll. Man kennt halbwegs die Beweggründe der einzelnen Personen, aber kann nicht vorhersehen, was geschehen wird. Das birgt eine große Portion Spannung in sich, die durch die häufigen Perspektivwechsel und das seltene Aufeinandertreffen der Protagonisten noch erhöht wird. Mehr Handlung bedeutet wie üblich bei High-Fantasy auch mehr Kampf. Kampf mit den Schwertern, mit Pfeil und Bogen, aber auch mit Magie. Bei ersterem bleibt die Erzählung immer ausreichend realistisch, bei letzterem überzeugt das gut durchdachte Magiesystem, das schnell aus dem Schwarz/Weiß-Denken von "licht" und "dunkel" hinauswächst. 
Der kleine Kritikpunkt, der wohl anzumerken ist, sind die Erzählungen vom Krieg insbesondere zu Beginn der Geschichte. Kein Leser wird sich merken können welche Armee gerade an welchem Ort steht und wer gerade von wem wo besiegt wurde. Das verwirrt eher und überfliegen die meisten sicherlich nur. 
Tja und das Ende? Das Ende ist so gestaltet, dass das Warten auf den nächsten Band äußerst nervenaufreibend wird. Mit einem Cliffhanger, der viel Tod beinhaltet, werden wird der Leser sich selbst überlassen.

Fazit: "Blitz" konnte mich voll und ganz von sich überzeugen und stellt noch einmal eine deutliche Steigerung zum ersten Band "Wind" dar. Die Charaktere werden noch feiner ausgearbeitet und die Handlung kommt nun so richtig in Schwung. Am Ende steht ein unglaublicher Cliffhanger, der die Wartezeit auf Band 3 unerträglich erscheinen lässt.

Gesamtnote: 1
Charaktere: 1
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1

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Über den Autor:
Alexey Pehov, geboren 1978 in Moskau, studierte Medizin. Seine wahre Leidenschaft gilt jedoch dem Schreiben von Fantasy- und Science-Fiction-Romanen. Er ist neben Sergej Lukianenko der erfolgreichste phantastische Schriftsteller Russlands. »Die Chroniken von Siala« wurden zu millionenfach verkauften, mit mehreren Preisen ausgezeichneten Bestsellern. Zuletzt erschien seine neue Serie »Die Chroniken von Hara«. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, die ebenfalls Schriftstellerin ist, lebt Pehov in Moskau. (Quelle)

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Mittwoch, 24. Oktober 2012

Das Leben abseits der Bücher

Still ist es hier geworden in den letzten Monaten. Keine Funkstille, aber es ging auch nicht so lebhaft zu, wie ihr es von mir gewohnt war.
Tja, manchmal kommt einem eben das Leben dazwischen. Und auch, wenn ich hier wenig Privates preis gebe, werde ich heute ein wenig plaudern:
Es gab einige Widrigkeiten in den letzten Monaten, auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen will, die sich aber auch alle inzwischen wieder dem Besseren zu wenden. An alle, die es über Twitter mitbekommen haben: Die Umfangsvermehrung, die mein Hund hatte, war völlig harmlos. Sie ist kerngesund. 

Aber auch andere Dinge als "Widrigkeiten" haben mich vom Bloggen abgehalten und werden mich sicherlich auch in Zukunft nicht so schnell los lassen;
Zum einen habe ich mich vor gut 4 1/2 Monaten verliebt und bin auch jetzt noch verliebt wie am ersten Tag. < 3 Dafür, dass ich eigentlich mit meinen Gefühlen oft hinter den Berg halte, musste ich es in den letzten Monaten im Prinzip jedem erzählen, ob er es hören wollte oder nicht. *grins* Inzwischen versuche ich mich etwas zu mäßigen, aber es fällt mir schwer, denn es ist immer noch sooo schön. Ihr merkt, dass ich wieder ins Schwärmen gerate. *hihi*
Zum anderen neigt sich mein Studium bekanntermaßen dem Ende zu und ich kann jetzt schon stolz verkünden: Ich habe mein Deutsch-Staatsexamen bestanden.
Streich 1 von 3 ist geschafft. Deutsch Staatsexamen bestanden, es folgt noch Geschichte und die Zulassungsarbeit (so etwas wie eine Diplomarbeit). Aber jetzt erstmal ein wenig ausruhen vom vielen Lernen, um mit neuer Energie wieder damit zu beginnen. 

Zwei Dinge, denen ich viel Zeit widmen will und muss. Trotzdem gibt es jetzt bis Ende November eine Lernpause, wodurch ich wieder mehr lesen und mehr bloggen kann. Und andere Dinge, die ich euch vielleicht hin und wieder zeigen werde.
Ein kleiner Einblick gleich heute noch. Ich wurde nach meinen Strickaktivitäten gefragt. Nun ja. Ich hatte immer relativ viel mal angefangen, dann wieder abgebrochen, weil es mir nicht gefallen hat oder ich es einfach nicht geschafft habe. Vor Kurzem habe ich aber endlich mal wieder Socken fertig bekommen:
Die Bilder werden größer beim Draufklicken.


Es ist wieder Wolle von Tausendschön, aus dem Sommerspecial 2012. Das Muster ist "Wildhüter" von Regina Satta. Gibt es bei Ravlery.com. 
Außerdem habe ich einen Single fertig und neue Socken angestrickt. Die bekommt ihr dann zur gegebenen Zeit zu sehen. ;) 

Was habe ich sonst so gemacht? Am ersten freien Wochenende habe ich gleich mal gepacken. Schokocookies und Schokomakronen. Seht selbst:












Es sind immer Vorher - Nachher Bilder. Also links vor dem Backofen und rechts nach dem Backofen. Lecker wars. :) 

So, genug gequatscht. Gestern und vorgestern gabs je eine Rezension. Elfenkrieg habe ich schon halb durch und ist suuuper bisher. Rezi kommt also bald. Mit "Blitz", dem zweiten Band der Chroniken von Hara habe ich auch schon begonnen. Ihr dürft also gespannt sein.
Nun wünsche ich euch noch einen schönen Abend!

Dienstag, 23. Oktober 2012

[Rezension] Alison McGhee - Ich lebe, lebe, lebe

Quelle: Verlagsseite
Autor: Alison McGhee
Titel:
Ich lebe, lebe, lebe
Originaltitel:
All rivers flow to the sea
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 14 - 17 Jahre
Seiten: 160
Verlag:
dtv
Veröffentlichung: 1. Oktober 2012
ISBN:
978-3423249348
Preis: 12,90 Euro
Kindle-Preis: 10,99 Euro
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Inhalt:
Sie hatten einen schrecklichen Unfall, Rose und ihre große Schwester Ivy. Jetzt liegt Ivy im Koma, und Rose verbringt jeden Nachmittag an ihrem Bett im Pflegeheim. Immer und immer wieder erlebt Rose den Zusammenprall ihres Autos mit einem Lieferwagen in einer vereisten Kurve, den Moment, der sie aus der Zeit katapultiert hat. Nur der Freund der Familie, William T., schafft es, an Rose heranzukommen. Und noch jemand ist da, der auf sie aufpasst: Tom. Lange sträubt sich Rose, sich ihre Gefühle für Tom einzugestehen, bis zu dem Moment, wo sie über ihre Verzweiflung und Einsamkeit mit ihm sprechen kann. Sie begreift, dass sie Ivy loslassen muss, um ins Leben zurückkehren zu können. (Quelle)

Meine Meinung:
"Mir bricht das Herz", sagte ich ihm, und das ist die Wahrheit. Wenn einem das Herz bricht, dann spürt man den Schmerz ganz konkret, ganz körperlich. Du fühlst ihn, bei jedem Schlag einen neuen Schmerz, und du kannst tun, was du willst, es hört nicht auf, weder zu schlagen, noch zu brechen. (Seite 124)
Alison McGhee war für mich bis dato ein unbeschriebenes Blatt, denn weder hatte ich etwas aus der Feder der Autorin gelesen, noch von ihr gehört. Titel und Klappentext dieses Buches haben mich aber dann sofort angesprochen und ich musste mir unbedingt den Inhalt näher anschauen. Dem Leser muss schon vor dem Aufschlagen der ersten Seite bewusst sein, dass er es hier mit einem unbequemen Buch zu tun hat. Dies ist nichts für einen lauen Herbstnachmittag in der Sonne, wenn man die Seele baumeln lassen will. Hier werden große Themen angegangen, die ans Herz gehen.
Der Tod steht im Mittelpunkt der Geschichte. Er ist noch nicht eingetreten, denn Rose Schwester Ivy lebt noch, wenn man es leben nennen kann, beatmet und künstlich ernährt zu werden. Zusammen hatten sie einen Unfall, aber Rose wurde nur leicht verletzt, jetzt weiß sie kaum, wie sie weiterleben soll, während ihre Schwester im Koma liegt. Tod, Angst, die Psyche, Geschwisterliebe, Familie und Liebe sind die großen Themen, die in diesem schmalen Buch aufgegriffen werden. Manch einer wird sich fragen, wie solche Fragen, solche schweren Begriffen und Themen auf gerade einmal gut 150 Seiten abgehandelt werden.
Ich muss sagen: Es gelingt. Und dabei ist die Geschichte an sich doch recht handlungsarm. Der Leser erhält Einblick in Rose Gefühlswelt, in ihre Gedanken, ihre Empfindungen nach dem Unfall gemeinsam mit ihrer Schwester. Sie versucht mühevoll den Alltag zu meistern und scheitern dabei fast auf ganzer Linie. Ihre Mutter hingegen versucht eigentlich gar nicht mehr überhaupt noch etwas zu meistern. Daran scheint auch die Familie zu zerbrechen.
So wie Rose immer wieder den Unfall vor Augen hat, wird der Unfall auch immer wieder für den Leser geschildert. Diese Absätze beginnen immer gleich: "Ivy und ich hatten einen Unfall..." (Seite 9) und variieren dann. So erfährt der Leser einerseits mehr über diesen Unfall, andererseits etwas darüber, welche Besonderheit des Unfalls Rose gerade besonders beschäftigt. In einer Situation, in der die meisten Menschen in Trauer, und in Sprachlosigkeit versinken, gelingt es hier der Autorin Worte für ein Mädchen zu finden, das Schreckliches erlebt hat und versucht damit ihr weiteres Leben zu leben. Dabei sind die Gedanken des Mädchens nicht immer klar, nicht immer linear. Es gibt Wiederholungen, es gibt Schleifen, Gedankensprünge - genau das ist zu erwarten. Das ist es, was dieses Buch besonders macht.
Von der ersten Seite an war ich eins mit Rose, konnte direkt an ihrer Seite, direkt ihre Gedanken, Gefühle, ihren Kummer und Schmerz nachvollziehen und auch ihre unlogischen Handlungen verstehen. Getreu nach dem Motto: Wie kann die Welt sich weiter drehen, als wäre nichts passiert, wenn für ein Mädchen wie Rose die Welt eigentlich doch zusammengebrochen ist?
Um dann Spannung zu erzeugen braucht es keine Action, nicht einmal viel echte Handlung. Die Gefühle und Gedanken dieses Mädchens und die Frage, ob und wie sie es schafft wieder ihr eigenes Leben zu leben, reichen aus, um einige Lesestunden zu haben, die ganz tief das Herz berühren und für die zarte Gemüter ganz sicher Taschentücher bereit legen sollten.

Originalcover; Quelle
Fazit: Eine herzergreifende Geschichte über einen Unfall, Kummer, den Abschied, den Tod und die Kraft und den Mut zu finden weiter zu machen. Die Geschichte wird von den Gefühlen und Gedanken der Protagonisten und der Hoffnung des Lesers getragen, dass eben diese doch noch das Licht am Horizont sieht und für sich den richtigen Weg findet. 
Keine einfache Geschichte, die man mal so zwischendurch liest, sondern ein 150 Seiten, die Kraft kosten und noch lange nachwirken und das auf ganz positive Weise.


Gesamtnote: 1
Charaktere: 1
Handlung: 1


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Über die Autorin: Alison McGhee ist Autorin etlicher hochgerühmter und ausgezeichneter Romane für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Ihre Bücher finden sich regelmäßig auf der New York Times-Bestsellerliste. Alison McGhee lebt mit ihrer Familie in Minneapolis, Minnesota. (Quelle) 

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Montag, 22. Oktober 2012

[Rezension] Bernd Perplies - Flammen über Arcadion

Quelle: Verlagsseite
Autor: Bernd Perplies
Titel:
Flammen über Arcadion
Reihe:
Arcadion-Trilogie
1. Flammen über Arcadion
2. Im Schatten des Mondkaisers (März 2013)
3. ???
Genre:
Dystopie
Seiten:
525
Verlag:
Lyx-Egmont
Veröffentlichung: 13. September 2012
ISBN:
978-3802586378
Preis (HC): 19,99 Euro
Kindle-Preis: 18,99 Euro
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Inhalt: Wenn das Licht den Tod bringt, musst du in die Schatten fliehen.Die sechzehnjährige Carya lebt mit ihren Eltern in Arcadion, einer der wenigen Zufluchtsstätten in einer öden, verwüsteten Welt. Doch das scheinbare Paradies, über das der religiöse Orden des Lux Dei herrscht, wird von Angst und Irrglaube beherrscht. Als der Geliebte ihrer besten Freundin von der Inquisition festgenommen wird, lässt sich Carya zu einer verzweifelten Tat hinreißen, um ihn vor der Folter zu retten. Doch damit gerät sie selbst ins Fadenkreuz der Inquisitoren. Ihre einzige Hoffnung ist der junge Templersoldat Jonan, der für Carya sein Leben aufs Spiel setzt. (Quelle)

Meine Meinung:

"In dieser Nacht starb der letzte Rest der alten Carya, des stillen, braven Templerjugendmädchens, das mit klopfendem Herzen den falschen Männern und den falschen Idealen nachgelaufen war, und zurück blieb nur ihr neues Ich, die Kämpferin, die vor niemandem mehr Angst hatte und selbst dem Tod hoch erhobenen Hauptes entgegentreten würde." (Seite 447/448)

Dystopien sind aktuell der Trend auf dem (Jugend-)Buchmarkt, der sich recht leicht ausmachen lässt. So lässt es sich auch kaum ein Verlag nehmen aus diesem Genre die eine oder andere Buchreihe zu veröffentlichen.
Bernd Perplies war mir durch die Tarean- und die Magierdämmerung-Trilogie noch in guter Erinnerung. Schon hier hatte er von High-Fantasy zu Steampunk-Elementen gewechselt, um sich jetzt erneut etwas ganz anderem zuzuwenden. Mein Vertrauen in die Geschichte war groß und ich wurde auch nicht wirklich enttäuscht.
Die Struktur der Geschichte wirkt auf den ersten Blick und auch nach genauerem Prüfen äußerst gut durchdacht und es sieht nach etwas Besonderem aus. Wenn man die Details, die verraten werden etwas zusammenzählt, kommt man auf die Vermutung, dass die Stadt Arcadion aus dem uns bekannten Rom hervorgegangen ist. Dies wird nicht bestätigt und ist lediglich eine Spekulation meinerseits, aber es werden Fährten gestreut. Vielleicht klärt sich das noch. Denn, dass es in der Zukunft, in einer dystopischen Zukunft spielt, ist natürlich klar. Doch, was genau passiert und warum es kaum noch bewohnbare und noch viel weniger lebenswerte Orte auf der Welt gibt, wird bis zum Schluss nicht geklärt. Aber es kommen ja noch zwei weitere Bände, die diese Aufgabe eventuell übernehmen können.
Der Schreibstil ist ähnlich wie in Tarean schnörkellos und direkt. Perplies verliert sich nicht in Landschafts- oder Detailbeschreibungen oder in stilistischen Höhenflügen, sondern kommt schnell zum Punkt, was eine handlungsreiche Geschichte ohne Längen ermöglicht. 
Der Leser hat es mit einer überschaubaren Anzahl an Charakteren zu tun und der Autor ist auch nicht zimperlich, besonders in der Anfangsphase der Handlung, sodass man sich das eine oder andere Mal doch schneller, als einem lieb sein kann, wieder von ihnen verabschieden muss. Gleichzeitig blieb bei mir bis zum Ende das Gefühl, dass keiner der Charaktere mich komplett an sich heranließ. Es gibt zwei Protagonisten, Carya und Jonan, aus deren Perspektive auch wechselnd die Geschichte erzählt wird, wobei der Erzähler zwischengeschaltet bleibt (wir haben also einen Er-Erzähler), aber selbst zu diesen beiden schien immer eine gewisser Abstand zu bleiben.
Wenn man Perplies kennt, ahnte man schon vor der Lektüre, dass es sich hierbei wieder nicht um ein typisches Lyx-Buch handeln würde. Liebe spielt eine Rolle, ja. Die Erotik findet aber auch hier wieder keinen Platz. Das ist nicht störend, sollte bei diesem Verlag, der sich der Romantasy verschrieben hat, erwähnt bleiben. Die wunderschöne Hardcover-Aufmachung, die auch verlagsuntypisch ist, lädt zum Träumen einen.
Natürlich wird bei einer geplanten Trilogie der Leser nach einem großen Finale mit einem Cliffhanger und vielen offenen Fragen zurückgelassen. Diesen werden wir erst im März 2013 weiter auf die Spur gehen.
Bernd Perplies versucht erneut etwas ganz Neues und schafft dabei eine actionreiche Geschichte, die neue Elemente mit sich bringt, in der man aber dabei trotzdem auch die schon bekannte Handschrift des Autors wiedererkennt. 

Fazit: Eine spannende Geschichte in einer dystopischen Welt, die aktuell ja so beliebt sind auf dem Buchmarkt. Perplies hat diese Welt gut strukturiert und durchdacht, leider bleibt dabei manchmal das Gefühl schriftstellerisch etwas auf der Strecke, sodass es den Leser nicht erreicht. Vielleicht wird das besser in Teil 2?
Trotzdem für Fans des Autors und des dystopischen Genres durchaus lesenswert.


Gesamtnote: 2-3
Charaktere: 3
Handlung: 2
Lesespaß: 2

Über den Autor: Bernd Perplies wurde 1977 in Wiesbaden geboren und studierte Filmwissenschaft und Germanistik in Mainz. Heute arbeitet er am Deutschen Filminstitut in Frankfurt a.M. und ist darüber hinaus als Schriftsteller und Übersetzer tätig. Mit der furiosen Tarean-Triologie gab er sein vielbeachtetes Debüt. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors: 
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Mittwoch, 10. Oktober 2012

[Rezension + E-Literatur-Tipp] Cristoph Hardebusch - Smart Magic oder "Lesen ist nicht gleich lesen"

Quelle


Autor: Christoph Hardebusch
Titel:
Smart Magic
Genre:
High-Fantasy/Jugendbuch
Altersempfehlung: 14-15 Jahre
Seiten:
512
Verlag:
Heyne Verlag
Veröffentlichung: 11. Dezember 2011
ISBN:
978-3453267459
Preis (HC): 16,99 Euro
Preis (Kindle): 13,99 Euro

Klappentext: Das Tor in eine magische Welt ist geöffnet
Tom ist fünfzehn, lebt in Berlin und hat nicht gerade das, was man eine schöne Kindheit nennt. Er wächst bei einer Pflegefamilie auf, die viele Waisenkinder bei sich aufgenommen hat – doch von ihren Pflegeeltern werden sie nur für Diebstähle und Betrügereien ausgenutzt. Sein einziger Freund ist sein älterer Leidensgenosse Alex, der für ihn wie ein Bruder ist und ihm schon ein paarmal aus der Patsche geholfen hat.
Schon bald beginnt sich allerdings Toms trostloses Leben stark zu verändern. Immer öfter erlebt er Dinge, die er sich nicht erklären kann. Als ihm mitten in Berlin auch noch ein kluger Rabe begegnet, der ihm weise Ratschläge zu geben versucht, fängt Tom an zu begreifen, dass er anders ist. Auf der Suche nach Spuren seiner Herkunft folgt er dem Raben schließlich zu einem geheimnisvollen Portal – das Tom in eine fantastische neue Welt voller Magie führt … (Quelle)

Meine Meinung:
"Die Stämme des Volkes sind in alle Richtungen des Himmels zerstreut. So, wie es sein soll, denn sind wir nicht wie der Wind? Wenn sie kommen, ziehen wir davon, und sie können uns nicht angreifen, so wenig, wie sie den Wind fangen können."
"Wir fliehen. Und weil wir das nicht zugeben wollen, sagen wir, dass wir schlau sind und deshalb dem Wind folgen", fasste Matani zusammen. (Seite 98/99 der e-book-Ausgabe)
Die Geschichte beginnt mit einer Familie in Berlin. Tom und Alex leben in einer Pflegefamilie. Ohne dass das Jugendamt dies weiß, werden sie dort ausgebeutet, denn sie müssen Geld ranschaffen, indem sie es stehlen. Dementsprechend unglücklich sind die Kinder. Auch eine Geschichte, die lohnenswert zu erzählen ist, aber um diese Verhältnisse soll es im Großen und Ganzen nicht gehen. Der Leser wird bald in eine fremde Welt entführt, eine Fantasywelt. 
Dort befinden sich dann nun alle drei Protagonisten. Alex und Tom, die nicht wissen, dass der jeweils andere auch in der fremden Welt ist und Matani, die schon zu Beginn dem Leser vorgestellt wurde und recht schnell Tom begegnet. 
Gut gelungen ist die sprachliche Umsetzung. Sie ist im Ganzen dem jugendlichen Zielpublikum angepasst und verliert sich nicht in langen, komplizierten Sätzen. Dabei benutzt Matani, naturgemäß eine andere Sprache als die Jugendlichen aus Berlin. Der Autor lässt Tom immer wieder in sein gewohntes Sprachmuster zurückfallen, was oft Unverständnis der anderen Charaktere hervorruft, aber diesen Jungen sehr authentisch macht, denn keiner kann sprachlich so schnell aus seiner Haut raus. Besonders nicht in Ausnahmensituationen und in denen findet er sich oft wieder. Ähnlich geht es auch Alex, der sich aber gleich schneller ein zufinden scheint. Er steht aber natürlich auch unter größerem Druck, ohne hier mehr zu verraten. 
Nicht nur die drei Protagonisten sind gut durchdacht, sauber ausgearbeitet und werden in ihrer Entwicklung und ihren Handlung konsequent präsentiert, auch die Nebencharaktere fügen sich gut ins Bild, wirken nicht stereotyp und runden die Geschichte damit ab. 
Die Grundentwicklung ist recht bald vorhersehbar, sobald Tom und Alex die Welt gewechselt haben und dort alle Charaktere ihren Auftritt hatten. Trotzdem hält die Entwicklung dorthin die eine oder andere Überraschung bereit. Besonders spannend ist die Verbindung zwischen Tier und Mensch, die immer mal wieder erwähnt wird und für die ich mir eine noch bedeutendere Rolle gewünscht hätte, besonders was Matani und ihr Seelentier betrifft. 
Die Geschichte wird nach einem fulminanten Ende zu einem würdigen Abschluss gebracht. Beinahe alle aufgenommen Handlungsstränge werden vollendet und Erklärungen geliefert. Trotzdem bleibt ein Hintertürchen offen, sodass eine Rückkehr zu Tom und Alex durchaus denkbar ist, obwohl Smart Magic auf jeden Fall als abgeschlossen betrachtet werden kann.

Fazit: Man muss so ehrlich sein und sagen, dass dies hier keine Geschichte ist, die wirklich sehr viel Neues mit sich bringt. Die Grundstrukturen sind bekannt, werden aber zu einer packenden und spannenden Geschichte neu verknüpft, die wirklich lesenswert ist und bei über 500 Seiten mehrere Stunden unterhält. Durch die Charaktere, die direkt unserer Lebenswelt entnommen sind, werden insbesondere Jugendliche große Freude mit diesem Roman haben.

Gesamtnote: 2
Charaktere: 2
Handlung: 2
Lesespaß: 1-2


Über den Autor: Christoph Hardebusch, geboren 1974 in Lüdenscheid, studierte Anglistik und Medienwissenschaft in Marburg und arbeitete anschließend als Texter bei einer Werbeagentur. Sein Interesse an Fantasy und Geschichte führte ihn schließlich zum Schreiben. Seit dem großen Erfolg seines Debüt-Romans „Die Trolle“ ist er als freischaffender Autor tätig. Christoph Hardebusch lebt mit seiner Frau in Speyer. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors (eine Auswahl):  
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E-Literaturtipp: Lesen ist nicht gleich lesen. 

Als ich vor ungefähr drei Wochen gefragt wurde, ob ich nicht ein E-Book lesen und dann über meine Erfahrungen mit dem digitalen oder "e-lesen" schreiben möchte, dachte ich: "Klar, ich hab einen Kindle. Mach ich gerne." 
Kurze Zeit später deutete sich schon an, dass es dieses Mal aber aufgrund der Formatierung nicht möglich sein würde über den Kindle zu lesen. Was bleibt? Laptop oder iPhone. Hm. Nun war ich dann doch skeptisch. Auf dem Kindle haben zumindest die Augen das Gefühl auf Papier zu lesen. E-Ink-Technologie, keine Hintergrundbeleuchtung. Auf dem Laptop zu lesen schließe ich kategorisch aus. Ich sitze schon so viel zu viel an dem Ding, da brauche ich nicht auch noch dort lesen. 
Und auf dem kleinen Handydisplay? Naja, man kann es ja mal probieren und dann über die Erfahrung berichten. Gesagt getan. Wishlist, das Magazin von Deals.com hat mir freundlicherweise ein Gutschein für ein ebook meiner Wahl auf PagePlace zur Verfügung gestellt. Ihr ahnt es schon: Nach einigem Suchen habe ich mich für Smart Magic, das schon ewig auf meiner Wunschliste stand, entschieden. 
Das Anmelden bei PagePlace und das Installieren der App auf dem iPhone4 mit iOS 6 lief völlig problemlos.
Also gut. Aber wenn schon auf dem Handy, dann auch so, dass es Sinn macht. Also wenn ich unterwegs bin. Und dann wurde ich doch überzeugt. Aber warum?
Jede Leseratte, die ich kenne, die regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, lesen in eben diesen. Natürlich nehmen sie dafür in der Regel Bücher mit, lieber Taschenbücher, weil die nicht so schwer sind. Oder eben neuerdings auch den Kindle. So habe ich das auch gehandhabt und war damit soweit auch zufrieden. Der Kindle hat die Sache wirklich erleichtert, denn obwohl meine Tasche groß ist, war manchmal kaum noch ein Buch unterzubringen, weil schon zehn dieser Sorte für die Uni mitgeschleppt wurden. Der Kindle fand ein Plätzchen. Und dann bekommt man die Tasche gerade so zu und freut sich. Und im Bus muss man sie aufmachen, um den Kindle rauszukramen. 
Mit dem Handy ist es anders: Ich muss gestehen, seit ich ein Smartphone habe und schlimmer noch seit ich ein iPhone habe, ist das Handy immer in Griffweite. Ich mache inzwischen alles mögliche damit. So ist es entweder in der Jackentasche oder in der Hosentasche oder sowieso in der Hand. Man braucht keine Taschen mehr aufmachen, braucht nicht mehr kramen, man muss nur noch die App öffnen und kann sofort lesen. Selbst wenn man kein Sitzplatz mehr bekommen hat, eine Hand hat man immer frei, um damit das Handy zu halten und in die Geschichte abzutauchen.
Gerade jetzt, da ich vermehrt Bus und vor allem mit der Bahn unterwegs bin, ist das ungemein praktisch.
Man kann immer und überall mal eben das Handy hervorholen und zwei, drei Seiten lesen. Mir hat das gut gefallen und ich will es jetzt nicht mehr missen müssen.

Das soll nicht heißen, dass ich das gute alte Buch aufgeben möchte. Nein. Es ist wunderbar ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten. Frisch gedruckt und noch der Geruch des Neuen oder ein altes Taschenbuch, dem man seine bewegte Geschichte ansieht. Das ist wunderbar.
Aber ich genieße eben auch die Alternative, die sich einem in der heutigen Zeit bietet.
Mein Fazit: Zu Hause auf der Couch, im Sessel oder im Bett gerne das echte Buch. Unterwegs in Bus oder Bahn gerne das e-book. Es erleichtert einfach Vieles und das Abtauchen in die Geschichten machten genauso viel Spaß!