Donnerstag, 14. Februar 2013

[Rezension] Elisabeth Herrmann - Lilienblut

Quelle
Autor: Elisabeth Herrmann
Titel:
Lilienblut
Genre: Jugendthriller
Altersempfehlung: Ab 13 Jahren
Seiten:
448
Verlag:
cbt
Veröffentlichung: 18. April 2011
ISBN: 978-3570307625
Preis: 8,99 Euro
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Kurzinhalt: Es ist Sommer und der Rhein glitzert besonders silbern und verführerisch. Sabrina und ihre beste Freundin Amelie können stundenlang am Fluss sitzen, voller Fernweh und Hunger auf das, was Amelie »das Leben« nennt. Aber während Amelie vom Abhauen und der großen Freiheit träumt, scheint Sabrinas Zukunft festgelegt zu sein – soll sie doch den Weinberg ihrer Mutter übernehmen. Alles in Sabrina wehrt sich gegen dieses vorbestimmte Leben … Und dann lernen die beiden Mädchen einen Jungen kennen, der so ganz anders ist als alle Landratten und Winzersöhne. Von dem 19-jährigen Kilian, der mit seinem Schiff einsam am geheimnisvollen »toten Fluss« ankert, geht eine verstörende Anziehungskraft aus. Amelie verfällt ihm sofort – und will über Nacht mit ihm abhauen. Am nächsten Morgen findet man ihre Leiche. Und Kilians Schiff ist verschwunden… Nur Sabrina weiß, dass Kilian Amelies Mörder sein könnte.
Ein intensiver Psychothriller mit dunklem, verführerischem Sog: psychologisch glaubwürdig, atmosphärisch dicht, unwiderstehlich erzählt. (Quelle)

Meine Meinung:

"Er hörte den vielen Stimmen der Stille zu. Manche nannten den Ort verwünscht, das waren die Romantiker. Die sahen die Geister über dem Wasser. Andere nannen ihn verflucht. Das waren die Realisten. Die erinnerten sich an das, was hier geschehen war(...)." (Seite 9)
Thriller scheinen aktuell im Jugendbuchgenre eher etwas unterzugehen, wenn sie keine fantastischen Elemente beinhalten, denn Romantasy und Fantastic Thrill sind sehr beliebt. Aber es gibt sie noch und auch für Jugendliche: Thriller ganz ohne Fantasy.
Wie die meisten spannenden Thriller braucht auch dieser eine Leiche. Besonders hart trifft es den Leser, dass man Zeit bekommt die beiden Mädchen vor diesem Geschehen kennen zu lernen. So hat man nicht nur zur Protagonistin Sabrina, sondern auch zu ihrer besten Freundin Amelie längst eine Bindung aufgebaut, als sie tot aufgefunden wird und alle den mysteriösen Kilian verdächtigen. Mystery ist das Stichwort. Alles scheint unheimlich dort unten am Rhein, in dem Naturschutzgebiet, in dem Kilian mit seinem alten Kahn völlig unentdeckt vor Anker geht. 
Die Polizeit kommt nicht so recht voran, kein unbekannter Aspekt in dieser Art Geschichten, also versucht Sabrina auf eigene Faust etwas zu erfahren. Sie hat zwei Gründe: Zum einen war Amelie ihre beste Freundin und es gelingt ihr nur schlecht mit dem Verlust umzugehen. Zum anderen ist sie felsenfest davon überzeugt, dass es Kilian nicht sein kann. 
Hier kommt die berühmte Liebe auf den ersten Blick ins Spiel. Nicht nur Amelie verfällt ihm, auch Sabrina geht es ähnlich. Sie hat zwar auch einen gehörigen Respekt vor dem jungen Mann, aber bekommt ihn ebenso wenig aus dem Kopf. Sie sehnt sich nach ihm, obwohl sie ihn nur zweimal gesehen hat und er ihr beim ersten Mal doch sehr unheimlich war. 
Es kommt im Laufe der Geschichte noch zu einem weiteren Mordfall und das Mädchen ermittelt so gut es ihre Situation und ihr Können zulässt. Das bringt sie unter anderem ziemlich in Gefahr. 
Das bleibt aber nicht der einzige Handlungsstrang. Innerhalb der Geschichte spielt es eine große Rolle, dass Sabrina erwachsen wird. Ihre Mutter - eine Weinbäuerin - möchte, dass der Weinberg in Familienhand bleibt, aber Sabrina fühlt sich erdrückt von dieser Aussicht. Sie muss sich mit den Wünschen ihrer Mutter und ihren eigenen Wünschen auseinandersetzen, während die Liebe, der Tod und damit der Verlust ihr gleichzeitig jeden Nerv rauben und sie keinen klaren Kopf hat. Eine verzwickte und spannende Situation, die noch verkompliziert wird, als ein neuer Mann im Leben von Sabrinas Mutter auftaucht. 
Auf diese Weise können sich sicher sehr viele Jugendliche in das Mädchen hineinversetzen, denn neben den Mordfällen und dem mysteriösen Jungen hat Sabrina auch ganz normale Teenager-Probleme. 
Durch diesen normalen Alltag ergibt sich ein weiterer Vorteil für die Handlung: Der Autorin gelingt es hervorragend viele Charaktere in die Geschichte einzubauen, die möglicherweise mit den beiden Todesfällen im Zusammenhang stehen und der Leser kann lange Zeit nicht durchschauen, wer nun wirklich der Mörder ist. Natürlich hat man seine Vermutungen, aber man kann nicht wissen, ob man richtig liegt oder noch überrascht wird. 
Besonders ist dann noch das Gefühl, neudeutsch das Feeling, das Elisabeth Herrmann dem Leser vermittelt. Auch wenn man sich dort nicht auskennt und noch nie da war, bekommt man beim Lesen ein Gespür für das Leben direkt am Rhein mitsamt der Rheinschifffahrt und ebenso für das Leben als Weinbauer, das viele Entbehrungen und viel Arbeit mit sich bringt. Man fühlt sich bei Sabrina und ihrer Mutter schnell heimisch und das Gefühl für die Umgebung und Sabrinas Situation im Leser scheint die Autorin mühelos herbeizuzaubern.
Wie in diesem Genre üblich ist dieses Buch ein Einzelband und somit in sich abgeschlossen. Das Ende ist durchaus befriedigend, aber lädt gleichzeitig zum Träumen ein, um die Geschichte im Kopf doch noch etwas weiter zu spinnen.
"Gib mir die Worte, die ich so liebe. Gib mir einen Gedanken, einen Satz, ein Gedicht. Schenk mir einen Traum von dir, eine Geste, einen flüchtigen Blick im Vorübergehen, der mich streift und mich wärmt, weil ich weiß, dass du mich nicht vergisst." (Seite 243)

Fazit: Ein spannender Mystery-Thriller, der auch die Psychothrillerebene berührt. Hier wird für die Zielgruppe eine ungewöhnliche Situation mit den typischen Problemen eines Teenagers verbunden, was die Geschichte sehr authentisch macht. So fühlt der Leser mit der Protagonist und versucht gemeinsam mit ihr herauszufinden, wer ihre beste Freundin ermordet hat.


Gesamtnote: 2
Charaktere: 2
Handlung: 2
Lesespaß: 1-2

Über die Autorin: Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman "Das Kindermädchen" ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau mit Jan Josef Liefers vom ZDF, "Zeugin der Toten" mit Anna Loos in der Hauptrolle. Für dieses Buch erhielt sie den Radio-Bremen- Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Elisabeth Herrmann lebt mit ihrer Tochter in Berlin. (Quelle)

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