Dienstag, 19. Februar 2013

[Rezension] Nicole C. Vosseler - In dieser ganz besonderen Nacht

Quelle
Autor: Nicole C. Vosseler
Titel:
In dieser ganz besonderen Nacht
Genre:
Jugendbuch/Fantasy
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Seiten: 576
Verlag:
cbj
Veröffentlichung: 25.2.2012
ISBN:
978-3570155349
Preis: 18,99 Euro (Hc)

Klappentext: Eine hinreißend romantische Geistergeschichte vor der beeindruckenden Kulisse San Franciscos.
Nach dem Tod ihrer Mutter muss Amber, die in einer deutschen Kleinstadt gelebt hat, nach San Francisco ziehen – zu ihrem Vater, den sie kaum kennt. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Eines Abends begegnet sie dort in einem leer stehenden Haus Nathaniel, einem seltsam gekleideten Jungen. Er scheint der Einzige zu sein, der sie versteht. Aber er bleibt merkwürdig auf Distanz. Als Amber den Grund dafür erfährt, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg: Nathaniel stammt aus einer anderen Zeit und die beiden können niemals zusammenkommen. Doch in einer ganz besonderen Nacht versuchen die beiden das Unmögliche … (Quelle)

Meine Meinung:

"Mein Verlust. Die Mutter verloren. Merkwürdige Ausdrücke dafür, was mir passiert war, denke ich. Man konnte doch einen Menschen nicht verlieren wie einen Schlüssel oder Geldbeutel!" (Seite 55)

Schon der Beginn dieses Romans, dessen Geschichte noch in Deutschland startet, ist äußert emotional und kann sensible Menschen unter Umständen schon zu Tränen rühren. So weit ging es bei mir nicht. Aber der Autorin gelingt es trotzdem die Gefühle und die Situation der Protagonistin so driekt und eigehend zu beschreiben, dass man mit ihr leidet, obwohl man noch keine Zeit hatte sie kennen zu lernen.
Dies gilt auch für die gesamte folgende Geschichte. Nicole C. Vosseler beschreibt Amber und ihre Ankunft in San Francisco so, dass man als Leser keine Chance hat sich darauf zu freuen, dass sie in dieser Stadt spielt. Amber will nicht nach Amerika und auch nicht nach "SanFran". Bei ihrer Ankunft sieht sie nur die negativen Seiten der Großstadt und kann die Schönheit und Faszinationskraft gar nicht erkennen oder gar sich daran erfreuen. Dies wird so lebhaft beschrieben, dass auch der Leser die Stadt keinesfalls schön findet.
Die zwischenmenschliche Ebene zwischen Vater und Tochter ist sehr gut aufgebaut und entwickelt sich im Laufe der Geschichte vorsichtig und langsam. Es ist nicht so, dass Amber sich dauerhaft quer stellt oder irgendwann plötzlich Friede und Freude herrscht. Die beiden nähern sich an. Und langsam nähert sich Amber auch der Stadt an und sieht dann nach und nach auch die schönen Seiten. Dies erlebt der Leser hautnah mit, denn bevor man dieses Buch liest, sollte einem bewusst sein, dass man sehr, sehr viele Beschreibungen der Stadt, der Stadtteile, der Attraktionen oder einzelner Häuser lesen wird. Das ist nun wirklich Geschmackssache. Ich bin weder Amerika, San Francisco, noch Großstadtfan und für mich waren diese langen Beschreibungen oft eine gute Schippe zu viel. Hier kann ich mir aber gut vorstellen, dass gerade das von einigen Lesern geliebt wird.
Es bleibt ja aber nicht bei einem klassischen Jugendbuch, denn ein Mystery beziehungsweise Fantasy-Element wird hinzugenommen. Amber begegnet Nathaniel und dieser ist ein Geist. Der Klappentext ist hier ziemlich rapide, streicht einige Verwicklungen und Schwierigkeiten zusammen, denn Amber kann natürlich erst einmal nicht glauben, was sie sieht. Und bevor sie sich annähern, muss das Mädchen akzeptieren, dass sie Geister sehen kann. Nicht nur Nathaniel, auch andere Geister. Hier kommen einige sehr klischeehafte Versatzstücke ins Spiel, von denen viele sicher schon gehört und gelesen und die mich eher genervt haben. In diese Richtung tendiert auch das Ende, das sich - nachdem man im letzten Drittel mit einer Wendung, die aber vorausgesagt wird, konfrontiert wird - recht schnell zu erschließen ist. Man kann sich dann zusammenreimen, was weiter geschehen wird und das nimmt einen großen Teil der Spannung. Besonders die Frage nach dem "wer mit wem" ist ab diesem Moment leicht zu beantworten.
Besonders gut gelöst und daher hier zu erwähnen ist die Sache mit der Psychologin. Amber geht zu ihr, weil ihr Vater das nach dem Tod ihrer Mutter gerne möchte. Sie  hatte sich erst gesträubt, aber als sie glaubt, dass sie verrückt ist, weil sie eben Geister sieht, ändert sich ihre Meinung. Oft ist es ja so, dass Psychologen die Bösen sind, wenn zeitgleich Fantasyelemente die Geschichte bestimmen. Hier ist es anders. Die Psychologin glaubt zwar selbst nicht an Geister, hat aber trotzdem immer einen guten Rat und nimmt das Mädchen ernst. Sehr schön gemacht und auch mit einigen Weisheiten ohne den erhobenen Zeigefinger, die der Leser mit in seine eigene Lebenswelt nehmen kann.
Alles in allem gar kein schlechtes Buch, aber der Funke ist nicht übergesprungen und so blieb Begeisterung aus. Trotzdem bin ich mir sicher, dass es viele Fans finden wird.
"Was du fühlst, ist nie falsch. Dir mag es lästig sein oder unbequem, du magst dich dafür schämen - aber Gefühle sind nie falsch." (Seite 214)

Fazit: Irgendetwas hat nicht ganz gepasst. Mir war es zu viel San Francisco und zu viel Klischee bei der Geistergeschichte, die mir das Lesen dann verleidet haben, dabei sind besonders Amber und ihr Vater fein gezeichnete Charaktere. Ein Jugendbuch, das wichtige Themen anspricht und dazu noch ein großes Mystery-Element beinhaltet. Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass sich viele gemeinsam mit Amber in Nathaniel und seine Stadt verlieben werden.

Gesamtnote: 2-3
Charaktere: 2
Handlung: 2-3
Lesespaß: 3

Über die Autorin:
Nicole C. Vosseler, geboren 1972 in Villingen-Schwenningen, studierte Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und Konstanz, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Mit ihren Romanen „Unter dem Safranmond“, „Sterne über Sansibar“ und „Der Himmel über Darjeeling“ feierte sie große Erfolge. Die Autorin lebt am Bodensee – mit knapp zweitausend Büchern unter einem Dach. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors:  


Kommentare:

  1. Ich bin noch nicht ganz bei der Hälfte aber ich kann dir nur zustimmen: zu viel San Francisco :-D

    Liebe Grüße
    Steffi

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    1. Ja... irgendwie...
      es geht so schleichend los... und wir haben ja schon auf FB geschrieben, dass wir nun Fremdenführer in SanFran sein könnten. ;)

      Grüße
      Asaviel

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  2. Die Inhaltsangabe hat mich gleich angesprochen ... jetzt wo ich deine rezension gelesen habe, bin ich doch etwas verunsichert. Ich glaube würde die Geschichte in New York spielen und du würdest sagen "zu viel New York", dann wäre das das perfekte Buch für mich haha :-) Trotz allem interessiert mich das Buch trotzdem ... wobei ich die Befürchtung habe, dass es recht langatmig ausfallen könnte. Mal sehen, was andere Rezensenten zu diesem Buch sagen :-)

    Liebe Grüße
    Ivi

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    1. Das Buch braucht ne Weile bis es in Fahrt kommt.
      Ich denke schon, dass es einige gefallen kann und auch ich fand es ja nicht schlecht, aber es gibt einfach auch bessere Bücher.

      Grüße

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  3. Salut, Asaviel.
    Zeit vergeht so rasend schnell...
    Der Roman ist ordentlich gespickt mit anmerkenswerten Themen. Themen für gleich mehrere Bücher. In gedrängter Form kann man/frau aber auch leicht ins Schwimmen geraten.
    Ich könnte mir vorstellen, daß der "Reiseführer durch Frisco" aufblättern sollte, wie sich Amber (ungewöhnliche Namenswahl) Blick um Blick der neuen Umgebung öffnet. Kontraproduktiv wenn man/frau dabei das Gefühl hat einem Städtevortrag an der Vh zu folgen.
    Wenn ich Dich richtig verstehe, wirkt auch das Fantasy-Element zusehr aufgetragen, innerhalb des Romans. Vielleicht hätte ein Nathaniel, der meint ein Geist zu sein, hier eher funktioniert.
    Bemerkenswert ist die Psychologin. Denn mit der Geschichte vom Geisterjungen hätte Amber hier eher Bekanntschaft mit den Glückspillen der Pharmaindustrie machen können.

    Danke für die anregende Rezi.

    bonté

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    1. Ich finde "Amber" gar nicht mehr so ungewöhnlich. Ist schon das zweite oder dritte Mal, dass mir ein Charakter mit der Namenswahl in einem Buch begegnet.
      Das Fantasy-Element ist eigentlich nicht zu sehr aufgetragen, aber es werden einige Klischees bedient un das gepaart mit der Stadtführung hat mir zu schaffen gemacht.
      Ja, ich hatte auch die Befürchtung, dass die Psychologin ihr gleich irgendwas verschreibt und damit diese Berufsgruppe wieder in ein schlechtes Licht gerückt wird. Ist hier aber ganz anders.

      Grüße

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    2. Bonsoir,
      die "ungewöhnliche Namenswahl" bezog sich jetzt auf einen deutschen Mädchenvornamen. Es sei denn beide, Mutter & Tochter, sind amerikanische Staatsbürger und leben nur hier - dann wäre da fix ein Schuh draus geworden. :-)

      bonté

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    3. Ihr Vater ist Amerikaner. ;)

      Grüße

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  4. Klingt ganz interessant. Aber erstmal kommen andere Bücher dran ;)
    Wieso gibt es bei Amazon gebrauchte Ausgaben von 1985?
    Wurde das Buch "nur" neu aufgelegt?
    Komisch...
    LG, Anja

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    1. Bei mir wars ein Rezensionsexemplar. Das musste dazwischen geschoben werden. ;)
      Hm, das mit den gebrauchten Ausgaben ist komisch. Ich denke nicht, dass es neu aufgelegt wurde, werde mich aber mal erkundigen.

      Grüße
      Asaviel

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  5. Huhu ,
    Das Buch steht auch noch auf meiner Wunschliste und ich hoffe das ich bei Lovelybooks mal Glück habe und das Buch gewinne ;) Bin gleich mal deine Leserin geworden , eine wirklich sehr schöne & ausführliche Rezension . Würde mich freuen wenn du auch mal bei mir vorbei schauen würdest... Alles Liebe Jenny :*

    http://jemasija8.blogspot.de/

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    1. Stimmt,
      ich hab auch gelesen, dass es bei LB zu haben ist. Als Leserunde oder?

      Danke für dein Lob. Ich schau mal vorbei :)

      Grüße

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