Montag, 25. März 2013

[Rezension] Dan Wells - Aufbruch

Bildquelle
Autor: Dan Wells
Titel:
Partials 1 - Aufbruch
Originaltitel:
Partials
Reihe:
Partials
1. Aufbruch
2. Fragments (engl. Titel)
3. Band in Planung
0. Isolation (engl Titel - spielt vor Band 1)
Genre:
Dystopie
Seiten:
512
Verlag:
ivi-Verlag
Veröffentlichung: 12. März 2013
ISBN:
978-3492702775
Preis: 16,99 Euro (HC), 12,99 (ebook)

Kurzinhalt:
Die letzten Menschen haben sich nach einer verheerenden Katastrophe nach Long Island, vor die Tore Manhattans, zurückgezogen. Die Partials, übermächtige Krieger, die einst von den Menschen erschaffen wurden und sich dann gegen sie wendeten, bedrohen die Überlebenden. Und eine unheilbare Seuche fordert ihre Opfer. Die sechzehnjährige Kira setzt alles daran, einen Weg zu finden, die Krankheit zu heilen. Doch dieser Weg führt sie nach Manhattan, mitten in das Gebiet der unheimlichen Partials. Und was sie dort entdeckt, wird nicht nur ihr eigenes, sondern das Schicksal aller Geschöpfe auf unserem Planeten verändern … (Quelle)

Meine Meinung:
"Diese Welt war ein trauriger Abklatsch der früheren zivilisierten Welt, der Welt vor dem Zusammenbruch, und nur noch einen Schritt von der Steinzeit entfernt." (Seite 13)
Ich kannte bisher keine Bücher von Dan Wells, obwohl er sich mit seinen Thrillern, die ebenfalls bei Piper erschienen sind ja auch in Deutschland bereits einen Namen gemacht hat. Dann wurde mir Partials von einer Freundin ans Herz gelegt, die es bereits im englischen Original gelesen hatte. 
Wir haben es - wieder einmal muss man wohl schon sagen - mit einer Dystopie zu tun. Sie schießen weiterhin wie Pilze aus dem Boden und inzwischen nimmt meine Skepsis zu, da das Grundmuster in beinahe allen gleich ist: konformer Bürger oder konforme Bürgerin verliebt sich in Rebell oder Rebellin. Da bleibt etwas Spielraum die verschiedenen Gesellschaften betreffend und Schreibstil, Gefühlsintensität geben den Ausschlag, aber es scheint kaum noch etwas Neues möglich zu sein. 
Doch da habe ich mich getäuscht. Dan Wells schafft tatsächlich innerhalb des Dystopie-Genres etwas Anderes, Neuartiges.
Unsere Protagonistin ist Kira. Sie gehört zwar in die Gesellschaft, die von einem Regime unterdrückt wird, wird aber von Beginn an nicht als normale, brave Bürgerin dargestellt. Außerdem gibt hier nun eine größere Auswahl an Gruppen. Denn die beiden Seiten "Regime und normaler Bürger" werden um zwei weitere ergänzt: Das sind die wahren Feinde, die für den Untergang der Welt verantwortlich waren, das heißt die Partials und zudem eine Widerstandsbewegung der Menschen, die "Die Stimme" genannt werden. Hieraus ergibt sich nun ein deutlich komplizierteres Muster als in vielen Dystopien. 
Außerdem ist Kira, die Protagonistin, schon zu Beginn der Geschichte in einer festen Beziehung. So banal das klingt, ist es ungewöhnlich, denn es steht - zumindest zunächst - einer Beziehung mit dem "Feind" im Weg. 
Gewöhnungsbedürftig ist das Alter der Charaktere. Kira und ihre Freunde sind sechzehn und etwas älter. Das ist für ein Jugendbuch zwar nicht ungewöhnlich, aber es wird vielen Lesern schwer fallen das Bild, das wir von Sechzehnjährigen haben, mit Kira und den anderen zu vereinbaren. Sie benehmen sich in beinahe allen Fällen wie Erwachsene. Man muss dies notgedrungen darauf zurückführen, dass sie schon viel Schreckliches als Kinder und Heranwachsende erlebt haben. Sie alle haben ihre Eltern verloren, einen Krieg miterlebt. 
Jetzt leben sie vor den Toren von Manhattan, also im zerstörten New York. Mit Sonnenkollektoren gelingt es ihnen zumindest für das Krankenhaus etwas Strom zu generieren, aber da ein Großteil der Menschen gestorben ist, stehen die meisten Häuser leer. Die Beschreibungen der Stadt sind dem Autor sehr gut gelungen. Man kann sich wirklich vorstellen, wie die Natur sich diesen Raum zurückerobert. Mit Bäumen, Büschen und Pflanzen, aber auch wie eigentlich wilde Tiere dorthin kommen und einen Lebensraum finden. 
Kira hat in diesem zerstörten New York, in dem kein Baby älter als drei Tage wird und in dem jede Frau dazu verpflichtet ist, so schnell und so oft wie möglich schwanger werden, auch noch erwachsen werden. Denn trotz der vielen Eigenschaften, die sie eher als Erwachsenen erscheinen lässt, ist sie es eben nicht. Sie muss für sich ihren eigenen Weg finden, sich ihrer Gefühle klar werden und entscheiden, wohin es für sie geht. Identitätsfindung ist das Wort, das bei uns gerne verwendet wird. Währenddessen hat sie es sich zusätzlich zur Aufgabe gemacht ein Mittel gegen das Virus zu finden, das so viele Menschen und alle Babys getötet hat. An diesem Punkt wird es immer mal wieder sehr wissenschaftlich und medizinisch. Nie so, dass man es nicht verstehen und dem Vorgehen folgen könnte, aber man muss sich schon immer wieder an den eigenen Biologie-Unterricht und an das Wissen über Viren und ihre Verbreitung zurückerinnern. Es macht aber auch Spaß gemeinsam mit der jungen Frau nach einem Gegenmittel gegen das Virus zu forschen. 
Das Erzähltempo ist durchgehend sehr hoch. Es wird etwas verlangsamt, wenn Kira im Labor forscht, aber das ist auch der einzige Zeitpunkt. Sonst passiert sehr, sehr viel. Dan Wells hat es wohl geschafft ein Buch zu schreiben, in dem wirklich fast jede Seite, jeder Satz so wichtig ist, dass man ihn nicht streichen könnte. Dieses Tempo geht etwas zur Lasten der Gefühle. Der Zugang zu den Charakteren wird zu Beginn erschwert, da oft eher unklar bleibt, wie Kira und ihre Freunde sich denn genau fühlen. Das nimmt mit der Zeit ab, wenn man Gelegenheit hatte sie besser kennen zu lernen. 
Zum Ende hin gibt es mehrere überraschende Wendungen, die aber gut eingeflochten sind. Bei ihnen hatte ich schon vorher den Gedanken, dass es möglich wäre. Man befürchtet es als Leser regelrecht, wagt aber kaum daran zu denken und hofft so sehr, dass es nicht so ist, dass man dann wirklich überrascht und schockiert wird, wenn Dan Wells diese leisen Befürchtungen in die Tat umsetzt. 
Natürlich bleibt ein Cliffhanger, aber der Autor hat ihn so gestaltet, dass man nicht unbedingt vor Frust aufschreien will, wenn man das Buch zuklappt. Der Anfang der Geschichte ist erzählt und jetzt bekommt der Leser eine Atempause, bevor wir uns hoffentlich bald auf den nächsten Teil, der auf Englisch bereits erschienen ist, stürzen dürfen.
"Wenn wir eines Tages trotz unserer Bemühungen und Entschlossenheit fallen werden, dann soll es meinetwegen geschehen, weil unsere Feinde uns besiegt haben aber nicht weil wir uns selbst vernichtet haben." (Seite 26)
Fazit: Eine Dystopie, die sich von der Menge mit einem neuen Konzept abheben kann und damit auch Leser, die etwas dystopiemüde geworden sind, in ihren Bann ziehen wird. Es ist nicht die bekannte Liebesgeschichte zwischen Rebell und konformen Bürger, sondern verzwickter und komplizierter und die gesamte Menschheit ist stärker bedroht, als man es bisher gelesen hat. Dazu kommt ein hohes Erzähltempo, das natürlich spannungsfördernd ist.
Ein Kind, das lacht und krabbelt und sprechen lernt." ihre Stimme brach. "Dafür gäbe ich ohne Zögern mein Leben." (Seite 470)
Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 2
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1



 Glück ist das Natürlichste auf der Welt, wenn du es hast, und etwas Fremdes, Seltsames und Unmögliches, wenn du es nicht hast. (Seite 91)

Dieses Buch ist etwas für dich, wenn dir folgende gefallen haben: 

 
Über den Autor:  Dan Wells studierte Englisch an der Brigham Young University in Provo, Utah. Der überzeugte Mormone war Redakteur beim Science-Fiction-Magazin »The Leading Edge«. Mit »Ich bin kein Serienkiller« erschuf er das kontroverseste und ungewöhnlichste Thrillerdebüt der letzten Jahre. Seine Romane um den jungen Killer John Cleaver sind große Erfolge. »Partials«, der Auftakt zu seiner neuen Young-Adult-Serie, eroberte den US-Buchmarkt im Sturm. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors:  



Kommentare:

  1. eine sehr schöne Rezi :-) schon alleine weil Schauplatz der Geschichte New York ist, würde ich mir das Buch kaufen :-) deine Rezi hat mich noch neugieriger gemacht. Ich denke, dieser Titel wandert auch gleich mal auf meine Wunschliste :-)

    Liebste Grüße
    Ivi

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    1. Hey,
      hier ist New York aber stark verändert, da nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung lebt und die Natur schon viel zurückerobert hat. :)

      Danke für das Lob!

      Grüße

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  2. Hallöchen Asa,

    moa ^^ ich liebäugel schon seit ende letzten Jahres mit dem Buch ^^ Ich habe Ende letzten Jahres einen Thriller von Dan Wells gelesen und bin seither absolut verliebt in seine Art zu schreiben. Es ist der Wahnsinn, um so mehr freue ich mich das dir das Buch so gefällt ^^ Argh ich mag es in die Finger bekommen : )

    Eine wirklich gelungene schöne Rezension ^^

    Liebe Grüße
    Romi ^^

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  3. Liebe Asaviel!
    Ach wie schön, deine Rezi dazu zu lesen. Bin ja froh, dass es dir doch noch gut gefallen hat (hatte bei deinem GR-Lesestatus schon nicht mehr dran geglaubt und freue mich jetzt um so mehr:).
    Deine Rezi gefällt mir sehr gut und stellt das Buch schön in seinen größeren Kontext.

    Ich bin krankheitsbedingt nach den ersten knapp 60 Seiten von Fragments hängen geblieben und muss wohl noch mal von vorne anfangen. Es beginnt zwar spannend, aber da man verschiedenen Perspektiven folgt, muss man anfangs doch öfter mal einen liebgewonnenen Chara verlassen und zum nächsten Wechseln. Bei so was kann man auch mal schnell den Faden verlieren. Aber da ich schon einige gute Bewertungen gesehen (und nicht näher drauf geguckt habe), bin ich auch für den zweiten Band zuversichtlich. Werde natürlich berichten:).

    LG Nia

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    1. Liebe Nia,
      Ja, ich wurde noch überzeugt. :) Freut mich auch umso mehr, weil du es mir ja empfohlen.
      Die Partials haben übrigens tatsächlich Ähnlichkeiten mit den Percents aus Dark Canopy, wobei die Percents deutlich eingeschränkter sind: Man sieht ihnen an, dass sie keine Menschen sind und sie ertragen das Sonnenlicht nicht. Dafür haben sie aber auch nicht das Kommunikationssystem der Partials.
      Also wenn man beide kennt, dann sieht man schon Verbindungen, weil beide als Soldaten von Menschen geschaffen wurden, aber sie haben auch ihre Eigenheiten, sodass nie das Gefühl aufkommen könnte, dass jemand abgekupfert hat. :)
      Hoffe, das war verständlich ausgedrückt.

      Liebe Grüße
      Asaviel

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    2. Liebe Asaviel!
      Ja, sehr verständlich und jetzt bin ich beruhigt. Die Idee mit künstlichen Menschen ist ja nicht neu. Aber wenn dann kurz hintereinander zwei Jugenddystopien das Thema aufgreifen, kann man schon mal Angst bekommen.
      Empfehlenswert ist übrigens auch Dan Wells Homepage (http://www.fearfulsymmetry.net/). Der Mann schreibt da auch einen Blog und selbst wenn es um Computerspiele geht (er ist großer Fan und entwickelt wohl auch immer wieder welche mit - mich interessiert das gar nicht), ist das meist sehr witzig formuliert. Außerdem ist er Mormone, hat mehrere Kinder und lebt gerade in Deutschland. Ich gehe aber jetzt mal davon aus, dass er mit seinen Büchern genug verdient und nicht in schlecht sitzenden Anzügen und Kostümen durch Deutschlands Städte läuft und Gespräche über Gott sucht (das müssen aber alle junge Mormonen ein Jahr oder so lang in einem anderen Land machen, nicht wahr?). Ähm ja, ich will sagen, er erscheint schriftlich als sehr facettenreiche Persönlichkeit.

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