Freitag, 26. April 2013

[Rezension] Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr

Autor: Jojo Moyes
Titel:
Ein ganzes halbes Jahr
Originaltitel:
Me Before You
Genre:
Belletristik
Seiten:
520
Verlag:
rowohlt
Veröffentlichung: 21. März 2013
ISBN:
978-3499267031
Preis: 14,99 Euro

Klappentext: Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt.
Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.
Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.
Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.
Eine Frau und ein Mann.
Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will. (Quelle)

Meine Meinung:

"Ich fragte mich, ob das seine Verteidigungsstrategie war: so zu tun, als wäre nicht er es, dem das alles passierte. War das der einzige Weg, auf dem er sein Leben ertragen konnte?" (Seite 69)
 Ich muss vorweg ganz ehrlich sagen: Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Selbst den Klappentext hatte ich nur flüchtig überflogen. Ich hätte das Buch nicht weiter beachtet, wenn es nicht in aller Munde wäre und gefühlt jeder in meinem Umkreis das Buch entweder bereits gelesen hat oder es auf dem Nachttisch schon auf den Einsatz wartet. Ich wusste, dass es hochgelobt wird, dass alle es wunderbar finden und dass ich Taschentücher bereit legen sollte. Aber an sich bin ich relativ arglos an die Sache herangegangen. 
Die ersten Gedanken, die sich dann formierten, waren: Huch, ist ja wie "Ziemlich beste Freunde". Dieser Eindruck drängt sich zu Beginn auf, wird aber dann nach einiger Zeit auch wieder revidiert und die Geschichte entwickelt sich weiter und in eine andere Richtung, sodass etwas völlig eigenständiges entstehen kann. 
Es ist auch nicht nur Wills Schicksal, das sehr nahe geht. Auch die Protagonistin Lou hat Dinge erlebt, die man keinem wünschen möchte und die sie bis heute nicht verarbeitet, ja geschweige denn jemals darüber gesprochen hat. Es scheint zu Beginn unglaublich, aber Will und Lou können sich gegenseitig helfen. Dann bleibt dem Leser nur noch den Mut und die Kraft der Protagonisten zu bestaunen. Lous Entschlossenheit und Durchhaltevermögen, Wills Kraft und auch seine Fähigkeit zu schweren Entscheidungen zu stehen. 
Ich muss sagen, dass ich bald wusste, wie dies alles enden wird und es gab damit keine Überraschungen für mich, aber das nimmt der Geschichte nichts von ihrer Besonderheit und man verliert keinen Lesespaß und kein Gefühl für die Umstände. Es ist wirklich äußerst berührend und vollständig nachvollziehbar, dass eigentlich jeder weinen muss und das vermutlich sogar mehrmals. 
Besonders viel Emotionalität kommt auf, da es der Autorin gelingt sich auf einige wenige Charaktere zu beschränken. Dadurch kann man als  Leser eine besonders enge Bindung zu ihnen aufbauen. Beinahe ausschließlich wird aus Lous Sicht beschrieben, aber es gibt kurze Einblicke in die Gefühlswelt außenstehender Personen. Wills Eltern und sein medizinischer Pfleger werden in je einem Kapitel näher beleuchtet. 
Lou selbst ist immer mal wieder recht naiv. Man möchte sie dann einfach nur schütteln und bedauert Will zusätzlich, dass ihm dies nicht möglich ist. Aber sie macht eine Entwicklung durch, sodass diese eher negativen Gefühle ihr gegenüber im Verlaufe der Geschichte abnehmen. Das spricht für sehr gut ausgestaltete Charaktere, die sich persönlich weiterentwickeln können, ohne dass logische Brüche entstehen. 
Es liegt in der Natur der Sache, wenn man sich diesem Themenkomplex zuwendet, dass es mehrmals zu beinahe philosophischen Gedankengängen und Gesprächen kommt. Dabei bleibt die Sprache aber eher einfach und sehr angenehm. So gelingt es Jojo Moyes ein Buch zu schreiben, dass dem Leser emotional zwar das Äußerste abverlangt, aber stilistisch nicht allzu anstrengend ist. Ein deutlicher Pluspunkt für diese Geschichte.  
"Die Sache ist die: Wenn man plötzlich in ein ganz neues Leben katapultiert wrid oder jedenfalls auf einem so eng mit jemandem zu tun hat, ist es, als würde man sich die Nase am Wohnzimmerfenster von fremden Leuten platt drücken - es bringt einen dazu, neu zu überdenken, wer man eigentlich ist. Oder wie man auf andere Leute wirkt." (Seite 89)

Fazit: Selten habe ich eine so berührende und den Leser emotional fordernde Geschichte gelesen, die zwei Charaktere zusammenführt, die kaum unterschiedlicher sein könnten und sich trotzdem miteinander arrangieren. Jojo Moyes schafft ein Meisterwerk, das innerhalb kürzester Zeit gelesen werden kann und bei dem sicher nur die allerwenigsten Augen trocken bleiben.

"Manchmal, Clark, bist du so ziemlich der einzige Grund, aus dem ich morgens überhaupt aus dem Bett kommen will"  (Seite 382)

Gesamtnote: 1
Charaktere: 1
Handlung: 1
Lesespaß: 1
"Ich hatte hundertsiebzehn Tage, um Will Traynor davon zu überzeugen, dass es sich lohnte weiterzuleben." (Seite 198)

Über die Autorin: Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in Essex. (Quelle)

Kommentare:

  1. Was mich an Rezensionen restlos auf die Palme bringen kann, ist, wenn sie schlecht oder gar fehlerhaft (Zeichensetzung, Rechtschreibung und/oder Ausdruck) geschrieben sind. Ich bin Autorin und wahrscheinlich deshalb dünnhäutig, wenn ich Buchkritiken lese, die sich ein Urteil anmaßen, ohne den selbstformulierten oder auch nur allgemeinen Ansprüchen genügen zu können. Und da tummelt sich so einiges an selbsternannten Kritikern und Rezensenten im Netz...
    Hier dagegen: Nix zu meckern. Im Gegenteil - eine Rezension, der ich spontan VERTRAUE, weil Form & Stil wirklich gut sind. Dann interessiert mich auch der Inhalt.
    Danke!

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    1. Huch,
      bei dem Beginn deines Kommentars habe ich mich ganz schön erschrocken. Freue mich jetzt aber natürlich umso mehr über das Lob. :)
      Vielen Dank!

      Grüße
      Asaviel

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  2. Hallo Asaviel.
    Nun, von mir gibt es keine Schrecksekunde... :-)
    Ein solides wie dankbares Thema, wenn sich zwei Figuren mit intensiven Problemen treffen und gegenseitig zu helfen vermögen. Wenn ich Deine Beschreibung richtig interpretiere, dann nähert sich die Handlung eher einem (grandiosen) Film wie 'Snow Cake'. Zwar eine andere Story, aber auch hierin treffen gebrochene Menschen aufeinander und geben einander etwas. Wobei dies selbst für Nebencharaktere gilt. Kanadisch kühl übrigens.

    bonté

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