Samstag, 11. Mai 2013

[Kurz-Rezension] Robert M. Freitag - Die Scanner

Quelle
Autor: Robert M. Freitag
Titel:
Die Scanner
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 12-16 Jahre
Seiten:
192
Verlag:
Fischer KJB
Veröffentlichung: 7. März 2013
ISBN:
9783596855377
Preis: 12,99 Euro

Klappentext: Google war gestern – und was wird morgen sein?
Die Welt im Jahr 2035: Gedruckte Bücher, Zeitungen, Zeitschriften gibt es nicht mehr. Für Rob kein großes Problem. Er kennt es nicht anders. Er ist in einer vernetzten Welt aufgewachsen und arbeitet für einen Megakonzern, der jedes Druckerzeugnis, das er in die Finger bekommt, digitalisiert. So wird alles Wissen für alle zugänglich. Jederzeit! Und kostenlos! Ist doch prima, oder?
Aber dann gerät Rob in die Kreise einer geheimen Büchergilde. Einer verbotenen Organisation aus Pleite gegangenen Buchhändlern, arbeitslosen Autoren, Übersetzern, Journalisten und ausgemusterten Verlagsmitarbeitern. Und plötzlich sieht Rob sein Bild als Top-Terrorist in den Nachrichten auf allen TV-Kanälen. Im Kampf um Wissen, Monopolisierung und Macht ist er mit einem Mal der Staatsfeind Nummer eins.
(Quelle)

Meine Meinung:

"Einen von zehn, den konnten wir mit Geld nicht locken. Der hatte etweder schon genug davon, oder war ein Fanatiker. Ein Büchernarr. Im schlimmsten Fall sogar ein Bibliophiler." (Seite 18)
Wow, wenn man in diese Geschichte eintaucht, dann erlebt man Sciene-Fiction vom Feinsten. Das Fortbewegungsmittel rast in luftiger Höhe durch die Stadt. Es gibt Megacitys, wie man sie bisher nur aus Filmen kennt, die Unterhaltungselektronik erfüllt auch noch unsere kühnsten Träume. Gleichzeitig hat sich die Gesellschaft verändert. Die Klassen sind viel stärker von einander getrennt. Es ist vielmehr schon ein Kastensystem, aus dem kaum ein Aufstieg möglich ist.
Das Buch ist sehr kurz, aber es gelingt dem Autor schon innerhalb der ersten paar Seiten eine Atmosphäre zu gestalten, dass der Leser sich zurecht finden kann. Sobald dies geschehen ist, kann die eigentliche Handlung starten und kaum zu glauben. Sie passt auf 190 Seiten und hat doch mehr Gehalt als viele dicke Wälzer und regt stärker zum Nachdenken an, als man zu Beginn vermutet hätte.
Robert, unser Protagonist, sucht Leser, kauft ihre Bücher ab und digitalisiert sie. Danach werden sie vernichtet. Nun stehen sie online und digital jedem zur Verfügung. Es ist aber nicht nur so, dass damit das Gefühl ein echtes Buch in der Hand zu halten verloren geht, kaum einer liest diese Bücher digital. Es gibt viel einfachere Wege sich online unterhalten zu lassen. Warum also sich bemühen und ein Buch lesen? So denkt nicht nur Robert. So denken sie alle. Es gibt nur wenige Ausnahme. Diese versuchen die Vernichtung der Bücher aufzuhalten.
Innerhalb dieser Geschichte wird der Alltag der zukünftigen Jugendlichen weiter beleuchtet. Zum Beispiel ihr Umgang untereinander. Roberts bester Freund trifft seine Freundin nicht real. Sie gehen in ihren jeweiligen Städten in unterschiedlichen Parks "zusammen" spazieren und beobachten sich dabei durch Brillen. Das wirkt alles surreal, aber es wird vom Autor so dargestellt, dass man sich durchaus vorstellen kann, dass sich unsere Welt dahingehend verändert. 
Man sollte sich aber die Frage stellen, ob man das zulassen möchte und ob die Welt nicht bereits anfängt sich so zu verändern. Anschauliches Beispiel ist dieses Zitat:
Hast du eine Freundin?" fragte sie
"Hab 650 beste Freunde mit Premium-Status"
"Hast du eine Freundin?" wiederholte sie.
"Davon sind 280 weiblich."
"Hast du eine Freundin?"
"Und von den 8500 Freunden ohne Premium-Status..."
"Also nein" stellte Fanni fest. (Seite 85)
Das Social Network der Zukunft ist nicht mehr Facebook. Es ist komplexer und durch Videofunktionen und die Brillen, die jeder ständig trägt, kann man immer beobachten, was ein anderer gerade tut. Aber die Parallelen sind deutlich zu erkennen.
Gerade für Jugendliche und ich denke auch als Schullektüre ist dieses Buch auf jeden Fall geeignet. Es ist eine gesellschaftskritische Geschichte, die aber gleichzeitig sehr spannend aufgebaut ist, sodass sich auch jüngere Leser nicht langweilen werden. Durch den großen Technikbereich können sich außerdem auch Jungs davon angesprochen fühlen. 
"Exit  hätte ich auch gern an diesem Abend in meinem überschwemmten Zimmer gerufen. Aber das war kein Film. Das war mein Leben, das da gerade außer Kontrolle geriet." (Seite 140)

Fazit: Ein gesellschaftskritisches Buch, das ohne den ganz großen erhobenen Zeigefinger auskommt, da die Handlung spannend ist und der Leser versteckt aufgefordert wird eben selbst nachzudenken. 
Jedem in der heutigen Gesellschaft zu empfehlen, der ganz selbstverständlich mehrmals täglich mit Facebook und Twitter interagiert und beinahe rund um die Uhr erreichbar ist.

Gesamtnote: 1
Charaktere: 1
Handlung: 1
Lesespaß: 2

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich habe dich getaggt. Es geht um 11 Fragen zu Büchern. Ich fand die Aktion ganz nett und würde mich freuen, wenn du dir das ganze mal anschaust und vielleicht sogar mitmachst.
    http://frans-welt.blogspot.de/2013/05/getaggt.html
    LG Franzi

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. (...musste mal löschen - immer diese doofen Schreibfehler... Also nochmal:)
    Interessante Rezension zu einem interessanten Thema. Danke!
    Du merkst an, dass 190 Seiten für Handlung samt Atmosphäre genug sind - ich finde, in der Buchbranche, wo feste Verlags-Autoren nach Prüfung eines Exposés vorgeschrieben zu bekommen scheinen, dass z.B. ein historischer Roman mindestens 698 Seiten umfassen sollte, gibt es so viele aufgeblähte Werke, die im Prinzip handwerklich und von der Grundidee her gut sind, dann aber gandenlos auf die Zielseitenzahl gebracht wurden, bis sie im nur mäßig sinnvollen Wortgestöber ersticken. Ich habe in letzter Zeit unheimlich viele Bücher mit den Worten weggelegt: auf der Hälfte der Seiten hätt´s mir gefallen...

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  4. Servus, Asaviel.
    Ich denke die Story bietet eine eingängige Doppelschiene an, wenn sowohl Bücher ge2.0 werden, wie Beziehungen. Und der Blick weiter verheißt Übles; ebenso auf zwei Pfaden. Bücher werden nicht mehr gelesen, aber vernichtet. Demzufolge der Mensch - zur nicht realen Existenz verleitet - wohl auch keine körperliche Hülle mehr bräuchte. Und hier stolpert die Technophilie über die eigene Vollkommenheit, denn alle Digitalisierung hängt an Maschinen - und sie müßen physisch gewartet werden. Denn die Cloud ist ja auch nur ein Verbund von Speichern.

    Nur gut, daß ich mich trotz Abstinenz bei Gesichtsbuch, Zwitscher, Gugel & Co. doch vortrefflich austauschen kann. :-)

    bonté

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