Freitag, 2. Mai 2014

[Rezension] Brandon Sanderson - Die Seele des Königs

Autor: Brandon Sanderson
Titel:
Die Seele des Königs
Originaltitel:
The Emperor's Soul, Infinity Blade - Awakening, Legion
Genre:
Fantasy
Seiten:
448
Verlag:
Heyne
Veröffentlichung: 10. März 2014
ISBN:
978-3453315242
Preis: 14,99

Klappentext:
Wenn Magie den Lauf der Zeit verändert
In einer Welt, in der Magie und Schicksal untrennbar mit der Stadt Elantris verbunden sind, erzählt Brandon Sanderson die einzigartige Geschichte einer jungen Assassinin, die auf frischer Tat ertappt wurde und nun zum Tode verurteilt werden soll. Doch schon bald erkennt der königliche Berater, dass ihre besonderen magischen Fähigkeiten vielleicht die einzige Rettung für das Königreich sind … (Quelle)

Meine Meinung:
Da sich in diesem Buch drei voneinander getrennte und komplett unabhängige Geschichten befinden, will ich diese auch getrennt voneinander bewerten und erst am Ende zu einem Gesamturteil über die Zusammenstellung kommen. 

Aufgrund  der Aufmachung erwartete der Leser, dass die drei Geschichten sich im Umfeld der Geschichte um Elantris spielen oder aber in engem Zusammenhang zum Roman "Der Weg der Könige" stehen. Für die erste Novelle ist dies im Bezug auf Elantris durchaus richtig, wie der Autor nach der ihr auch bemerkt. Sie leiht auch dem kompletten Buch ihren Namen und auch wenn keine bekannten Charaktere auftreten, spielt die Geschichte wohl in Roschar, wobei man erst zum Ende ein bestimmtes Gebäude, gar ein Zimmer gemeinsam mit der Protagonisten verlässt. 
Diese Novelle ist sehr gut umgesetzt und wird auch ihrem Gattungsbegriff gerecht, was den meisten Lesern im Fantasygenre nicht wichtig sein wird, aber ein interessantes Detail darstellt. Shai ist ein gut durchdachter Charakter. Nicht nur ihre jetzige Situation, auch ihre Vergangenheit werden erst im Lauf der Geschichte deutlich und der Leser wird vor die Wahl gestellt, für wen er mitfiebern soll, schließlich ist der Hauptcharakter, mit dem man sich identifizieren sollte eine Asssassinin und scheinbar nur auf ihr eigenes Wohl bedacht. Da Shai ein Zeitlimit von 100 Tagen gesetzt bekommt, steigert sich die Spannung automatisch. Dem Magiesystem, das Brandon Sanderson hier auf nicht einmal 200 Seiten entfaltet, wird man mit Worten nicht gerecht. Es ist mehr als beeindruckend. 
Zugleich gelingt es der Geschichte zum Nachdenken anzuregen, denn wer genau hinsieht, erkennt Vergleiche zu unser heutigen Welt, die keinen erhobenen Zeigefinger erkennen lassen, aber als Stupser dienen können, um sich die richtigen Fragen zu stellen.
Alles in allem gibt es hier für die Geschichte die volle Punktzahl.

Die zweite Geschichte, auch eine Novelle, wirkt auf den ersten Seiten schon völlig abstrus und verdreht. Der Protagonist heißt Stephen und erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive. In diesem Fall wäre eine andere Perspektive auch nicht möglich. Stephen hat eine multiple Persönlichkeit. Es lässt sich nicht abschließend klären, wieviele Persönlichkeiten er in sich versammelt. Er weiß, dass all diese Personen Halluzinationen sind, spricht aber trotzdem mit ihnen und sie können scheinbar mehr als der Protagonist selbst. Diese Halluzinationen haben nicht nur verschiedene Charaktere und können Stephen auch mal sehr zur Last fallen, sie haben auch ganz unterschiedliche Fähigkeiten. Das reicht von Menschenkenntnis, über eine Militärausbildung, Sprachen, die Stephen nicht spricht oder naturwissenschaftliches Wissen. 
Gemeinsam sind sie nun auf der Jagd nach einer Kamera, die Bilder aus der Vergangenheit machen kann. So hat sie zum Beispiel George Washington fotografiert und es wird nun befürchtet, dass das Weltbild der Menschheit zerstört werden soll, indem man versucht eindeutige Fotos von Jesus nach seiner Auferstehung zu bekommen. 
Hier beginnt eine spannende Geschichte, die tatsächlich auch auf weniger als hundert Seiten einen Abschluss erfährt, mit dem der Leser zufrieden sein kann.
Es ist wichtig, dass man sich auf die Grundkonstellation mit all diesen halluzinierten Charakteren einlässt und dann kann man viel Spaß haben, denn die Geschichte ist unterhaltsam und spannend und zeugt von großer schriftstellerischen Fähigkeit.

Die dritte und letzte Geschichte ist kaum als Novelle zu bezeichnen. Sie ist die Adaption eines Computerspiels und lässt auch ohne Weiteres eine Fortführung der Handlung zu, was der Autor beweist, denn auf englisch ist bereits Band 2 zu "Infinity" erschienen.
Während Novelle 2 in unserer heutigen Welt zu spielen scheint, tauchen wir nun wieder in eine Fantasylandschaft ein und der Leser findet sich dort auch wunderbar zurecht, wenn er das zugrundeliegende Computerspiel nicht kennt.
Das sprachliche Können kommt wieder gut zum Ausdruck und man kann sich schnell auf die Handlung einlassen. Naturgemäß stehen hier Kampf und Auseinandersetzung an erster Stelle, was aber gut in eine Handlung eingebettet wurde, sodass der Leser durchaus Spaß hat.

Fazit: Alles in Allem wird jeder Leser, der Brandon Sanderson zu schätzen weiß, dieses Buch ebenfalls gerne lesen. Sein sprachliches und erzählerisches Talent kommt deutlich zum Vorschein und es macht einfach Spaß ihm in seine Geschichte zu folgen.
Leider bekommt der Leser aber nicht genau das, was der Verlag verspricht. Besonders der Klappentext sollte die Andersartigkeit von Geschichte zwei und drei in diesem Band hervorheben.


Gesamtnote: 2
Charaktere: 1
Handlung: 2-3
Lesespaß: 2
Über den Autor: Brandon Sanderson, 1975 in Nebraska geboren, schreibt seit seiner Schulzeit phantastische Geschichten. Er studierte Englische Literatur und unterrichtet Kreatives Schreiben. Sein Debütroman »Elantris« avancierte in Amerika auf Anhieb zum Bestseller. Seit seinen Jugendbüchern um den jungen Helden Alcatraz und seiner großen Saga um die »Kinder des Nebels« gilt der junge Autor auch in Deutschland als einer der neuen Stars der Fantasy. Er wurde auserwählt, Robert Jordans großen Fantasy-Zyklus »Das Rad der Zeit« fortzuschreiben. Brandon Sanderson lebt mit seiner Familie in Provo, Utah. (Quelle)

1 Kommentar:

  1. Lieben Dank für deinen Einblick! Ich hatte schon länger überlegt, ob ich die Sammlung lesen will. Aber eigentlich habe ich lieber einen ganzen schönen Roman und nicht drei Kurzgeschichten, die für mich weder etwas ganzes noch etwas halbes sind. Die erste Kurzgeschichte würde mich ja noch interessieren, doch ich glaub bei den anderen beiden hätte ich mich schon geärgert, dass mit dem Cover falsche Erwartungen geweckt werden. Vielleicht schaue ich mir die erste Geschichte mal einzeln auf Englisch an.

    Liebe Grüße!

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