Samstag, 14. Juni 2014

[Rezension] Hollis Seamon - Einer da oben hasst mich

Autor: Hollis Seamon
Titel:
Einer da oben hasst mich
Originaltitel:
Somebody up there hates me
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: ab 14
Seiten:
256
Verlag:
cbt
Veröffentlichung: 26. Mai 2014
ISBN:
978-3570162835
Preis: 14,99 Euro
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Klappentext:
Eigentlich ist der 17-jährige Richard ein ganz normaler Teenager – doch er hat Krebs und verbringt die letzten Tage seines Lebens in einem Sterbehospiz. Trotz dieses »Einer-da-oben-hasst-mich-Syndroms«, wie Richard es selbst nennt, hat er seinen Lebensmut nicht verloren und tut alles dafür, so viel wie möglich aus der ihm verbleibenden Zeit zu machen: Sei es, sich Privatsphäre zu verschaffen, wo es eigentlich keine gibt, zu Halloween verkleidet durch die Straßen zu fahren oder die Nähe der 15-jährigen und ebenfalls sterbenskranken Sylvie zu suchen… (Quelle)

Meine Meinung:
"Denn, ganz ehrlich: Sterben ist todlangweilig" (Seite 11)
Ein ganz normaler Teenager, mit ganz normalen Wünschen, mit ganz normalen Sorgen und ganz normalen Träumen - an einem ganz ungewöhnlichen Ort.
Wenn man in ein Hospiz kommt, hat man weniger als einen Monat zu leben. Wer dort hingeht, weiß, dass er sterben wird. Natürlich gehen wir davon aus, dass sich hauptsächlich ältere Menschen dort für die letzten Tage und Wochen aufhalten - und so ist es auch. Hauptsächlich. 
Aber in dieser Geschichte sind auch zwei Jugendliche in einem Hospiz und mischen die Pfleger und Angehörigen ziemlich auf. Denn trotz ihrer Krankheit (oder gerade deswegen?) gibt es noch einiges, was sie erleben wollen, zumindest wenn es ihnen möglich ist. 
Richard - der Protagonist - ist sich seiner Situation vollauf bewusst, versucht sich aber mit so viel Humor und Sarkasmus zu ertragen, wie möglich ist. Das gelingt nicht immer. Natürlich kommt es zu Situationen, in denen es ihm wirklich mies geht, in denen er Angst hat, aber meist sieht er mit einem zwinkernden Auge nach vorne

Folglich spult sich folgender Dialog ab: "Warum bist du hier? Was fehlt dir, mein Sohn?" Dann sage ich ganz ernst und unschuldig: "Ich habe das EDOHM-Syndrom." (Seite 15)
Die Geschichte ist sehr berührend.
Nicht nur Richard und das Mädchen, das sich im Hospiz aufhält, kann man gut verstehen. Man versteht beinahe jeden Charakter, der in diesem Buch seine Rolle hat und jeder davon handelt anders und für Außenstehende vermutlich unverständlich. Jeder geht anders mit Trauer und Verlust um. Das macht diese Geschichte besonders deutlich. Manche werden traurig, manche resignieren, manche werden wütend oder sogar cholerisch. All dies sind normale Reaktionen, die aufgrund ihrer Intensität aber kaum auszuhalten sind. 
Die Traurigkeit in diesem Buch hält sich eigentlich in Grenzen, es ist eher ein Überschwang an Gefühlen, einer Mischung aus Gefühlen, die den Leser mitten ins Herz trifft, aber zum Glück immer wieder aufgelockert wird. 
Ich habe mal eine Liste mit Sachen zusammengestellt, über die ich mir keine Sorgen zu machen brauche: Arbeitslosigkeit, undankbare Kinder, Scheidung, Weisheitszähne, Cholesterinspiegel. Jetzt kann ich noch Kugelbauch und Mittelglatze hinzufügen (Seite 48)
So traurig manche von Richards Überlegungen auch sind, so muss man dann doch wieder Schmunzeln, wenn es dann wieder nur um das "Eine" geht, das jeden Jugendlichen in seinem Alter beschäftigt. 
Dabei muss dem Leser schon zu Beginn der Geschichte klar sein, dass es nur ein mögliches Ende gibt. Es geht ier nicht um die Spannung, wie dieses Buch wohl ausgeht. Es geht darum, was auf dem Weg zu diesem Ende passiert.

Fazit: Jeder Leser kann an dieser Geschichte wachsen und für sich persönlich ein Stück aus ihr mitnehmen für seine eigene Zukunft. Sei es der Umgang mit Verlust und Trauer oder einfach das Wissen, das man das Beste aus seinem Tag machen sollte. Hier findet man ein emotionales Buch, das aber weit über Trauer und Tränen hinausgeht, sondern den Leser facettenreich gefühlvoll im Herz berührt.

Gesamtnote: 2
Charaktere: 1
Handlung: 2
Lesespaß: 2

Über die Autorin: Durch die jahrelange Pflege ihres Sohnes hat Hollis Seamon viel Zeit in Kinderkrankenhäusern verbracht. Die Jugendlichen dort, die trotz ihrer Krankheit Teenager blieben, haben sie dazu inspiriert, ihr erstes Jugendbuch, „Einer da oben hasst mich“, zu schreiben. Seamon lebt in Kinderhook, New York, und unterrichtet Englisch und Kreatives Schreiben. (Quelle)

Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Rezi, liebe Asaviel. Für mich ist dieses Buch wohl eher nichts. Solche Geschichten nehmen mich immer sehr mit, aber neugierig hast du mich schon gemacht!
    Drücker, Anka

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  2. Ich hab das Buch auch gelesen und war ganz gespannt, wie es dir gefallen hat. Wir sind uns da sehr einig. :) Ich mochte es auch wirklich gerne und fand eben diese Mischung "ganz normale Jugendliche und die ungewöhnliche Situation" total gelungen.
    Anka: Vielleicht liest du mal rein. Mich hat das Buch nicht mitgenommen wie beispielsweise "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Es ist weniger emotional, finde ich, aber eben trotzdem gut.

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