Dienstag, 11. August 2015

[Rezension] Sarah Bannan - Die Neue

Autor: Sarah Bannan
Titel:
Die Neue
Originaltitel:
Weightless
Übersetzer: Werner Löcher-Lawrence
Genre:
Gegenwartsliteratur
Seiten:
368
Verlag:
Droemer Knaur
Veröffentlichung: 3. August 2015
ISBN:
978-3426304242
Preis: 14,99 Euro
Oder beim Buchhändler vor Ort!

Klappentext:
Als Carolyn Lessing neu an die Adam’s High kommt, sind zunächst alle angetan. Die Lehrer von ihrer Intelligenz, die Mädchen von ihrem Stil und die Jungs von ihrer Schönheit. Doch dann verliebt sie sich in den falschen Jungen, und dessen Ex-Freundin startet über Facebook eine fiese Hetzkampagne. Nach und nach kippt die Stimmung, bis die öffentliche Demütigung aus dem Ruder läuft und in einer Katastrophe mündet, nach der nichts mehr so ist wie es war. (Quelle)

Meine Meinung:
"Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, wie merkwürdig es war, dass da ein neues Mädchen in unsere Stadt kam, wie ungewohnt für uns alle. Und nicht nur für uns, auch für unsere Eltern, die Lehrer und Trainer." (Seite 26)
 Dieser Roman zeigt im Grunde perfekt, dass es wirklich jeden treffen und dass man es unter Umständen gar nicht erst verhindern kann. Carolyn kommt neu in die Stadt, aber sie ist zunächst auch äußerst beliebt, denn alle (Jungen wie Mädchen und Lehrer und Trainer) halten sie für perfekt - ihr Aussehen, ihre Art und Weise. Jeder will mit ihr befreundet sein und die Erzählerin freut sich sogar schon, wenn die Neue überhaupt mit ihr spricht. Das heißt zunächst spricht überhaupt nichts für die Entwicklung, die dann nach und nach einsetzt. 
An dieser Stelle kommt auch die sprachliche Komponente des Romans ins Spiel. Als erstes muss man die Sichtweise, aus der die Geschichte erläutert wird, erklären. Es ist das erste und einzige Buch, das ich persönlich kenne, dass in der ersten Person Plural - also in der "Wir-Form" - geschrieben ist. Das allein ist schon ungewöhnlich und erschwert den Lesefluss am Anfang auch. Man weiß gar nicht genau, wer diese "Wir" sind, denn ihre Namen werden nicht direkt zugeordnet. Die Erzählerin, die hier allem Anschein nach spricht, bekommt keinen Namen. Sobald man sich darauf eingelassen hat und sich selbst wieder in die Schulzeit zurückversetzt hat, wird der Vorteil dieser Schreibweise deutlich: Man fühlt sich selbst immer mit angesprochen. "Wir" heißt "Du und Ich", ich die Erzählerin, du der Leser beziehungsweise die Leserin.
Außerdem gibt es dann Andeutungen, Entwicklungen, die zeigen, wie ungerecht, wie fies und wie unkontrolliert so eine Gruppe Jugendlicher sein kann. Mädchen durchsuchen aus Neugier Carolyns Sporttasche - finden dort quasi nichts Ungewöhnliches, erzählen dies aber trotzdem herum, da es ja sonst nichts Spannendes in ihrem Leben gibt. Als die Informationen über diese Sporttasche in der Gerüchteküche nach einigen Tagen zu diesen Mädchen zurückkommen, sind ganz andere Sachen in der Tasche - Drogen und Rasierklingen zum Beispiel. 
"Wir wussten sowieso kaum etwas, sagten aber eine Menge, und am Ende schickten wir es herum und herum und herum, simsten, tweeteten, bis alle sicher waren, sie wüssten, was abging." (Seite 77)
Während dem Leser immer schneller und immer deutlicher klar wird, welchen Höhepunkt diese Geschichte unweigerlich erreichen muss, sieht im Roman selbst keiner und keine, wo das Problem in ihrem Verhalten und der Entwicklung liegt. 
Das Dramatische daran ist, dass man sich gut vorstellen kann, dass es genau so auf jedem Schulhof und in jedem Schulgebäude zugeht. Zu Mobbing gehören immer zwei und ich will gar nicht absprechen, dass auch Carolyn Fehler macht, aber das fehlende Unrechtsbewusstsein der Mobber ist eklatant und wird hier sehr, sehr deutlich. Selbst am Ende beharren die Mädchen noch darauf zu zeigen, dass auch sie selbst und vor allem die Anführerin ebenfalls Opfer sind. 
"Unsere Eltern trugen die Schuld, sagten die Zeitungen später." (Seite 349)
Dass die Eltern die Schuld trügen, wirkt zunächst zynisch, aber auch hier muss man sagen, dass sie natürlich - wie auch die Lehrer und die Trainer (Sport spielt an der Schule eine große Rolle) weggesehen haben. 

Fazit: In diesem Roman wird ein wichtiges Thema behandelt, das niemals totgeschwiegen werden darf und für das das Bewusstsein in uns allen immer wieder wachgerufen werden muss. Mobbing gibt es nicht nur auf dem Schulhof, Mobbing betrifft nicht nur Jugendliche. Hier geschieht das auf eine Art und Weise, die es dem Leser ermöglicht den Jugendlichen ganz nah zu sein. Der Vorteil des Schreibstils ist aber auch zugleich der Nachteil des Romans, da man sich durchkämpfen muss. Man will sich nicht mit den Charakteren identifizieren, man kann es nicht und man stolpert immer wieder über den Stil, der gleichzeitig mit seiner Eindringlichkeit beeindruckt.

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Freitag, 7. August 2015

[Rezension] Patrick Hertweck - Maggie und die Stadt der Diebe

Autor: Patrick Hertweck
Titel:
Maggie und die Stadt der Diebe
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 11-13 Jahre
Seiten:
304
Verlag:
Thienemann
Veröffentlichung: 13. Juli 2015
ISBN:
978-3522184038
Preis: 14,99 Euro
Oder beim Buchhändler vor Ort!

Klappentext: New York, 1870.
Kalt und düster ist es in den Slums von Manhattan. Ziellos irrt Maggie durch schmutzige Gassen voller Bettler. Sie ist heilfroh, als sie bei einer Bande junger Diebe Unterschlupf findet. Schon bald fühlt sie sich dort wie zu Hause. Bis eine gemeinsame Diebestour sie zu einem Kirchturm führt, der schlimmste Erinnerungen in ihr wachruft. Maggie muss sich endlich ihrer Vergangenheit stellen. Doch Licht ins Dunkel kann nur einer bringen: der sagenumwobene Herrscher über die New Yorker Unterwelt. (Quelle)

Meine Meinung:
"Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, niemandem zu verraten, woher sie stammte und wie sie hierhergeraten war. Denn was niemand wusste, konnte auch keiner ausplaudern. Außerdem ging es ihr gegen den Strich, sich von einem dahergelaufenen Gossendieb anblaffen zu lassen." Seite 32
Maggie ist zunächst stur und der Meinung, dass sie niemanden braucht, um zurecht zu kommen. Natürlich muss sie lernen, dass dies Blödsinn ist und ganz schnell ist sie froh auf den Straßen New Yorks eine Bande gefunden zu haben, der sie sich anschließen kann. 
Trotz dieses Glücksfalls bleibt aber weiter unklar, was mit Maggie los ist - warum ist das Mädchen plötzlich auf der Straße, obwohl es sicher vorher kein Straßenkind war und warum wird es von der gefährlichsten und gefürchtetsten Bande der Stadt verfolgt? Vor diesen Fragen, die alle eng mit ihrer Vergangenheit verknüpft sind, kann sie auf Dauer nicht fliehen.
Dem Autoren ist es gelungen eine Geschichte zu schreiben, die dem Leser keine Verschnaufpause gibt. Er verzichtet auf Szenen, bei denen das Gefühl aufkommen könnte, dass sie nur da sind, um Platz zu füllen. In jeder neuen Situation passiert etwas - etwas Wichtiges. Damit dies gelingt, nimmt er Zeitsprünge in Kauf, die jüngere und unerfahrene Leser im ersten Moment vielleicht etwas anstrengend finden werden. Aber ab einem Alter von elf Jahren sollte dies problemlos zu bewältigen sein und die spannende Geschichte lockt sicher weiter. Zu diesen wichtigen Geschehnissen gehört es aber immer auch, dass die Charaktere sich weiterentwickeln oder Details aus der Vergangenheit bekannt werden. So macht Patrick Hertweck nicht den Fehler für eine spannende Geschichte für Kinder lediglich einseitige Charaktere zu entwerfen. Auch wenn diese Themen nur indirekt und ganz klar ohne erhobenen Zeigefinger angesprochen werden, geht es um Freundschaft, um Vertrauen und auch um Identität - wichtige Themen für "Beinahe-Teenager", die hier angemessen aufgegriffen werden. 
Die Sprache finde ich für die Zielgruppe schon fast etwas zu anspruchsvoll, aber ich hoffe, dass die Kinder die Herausforderung annehmen und sie an Maggies Seite meistern, denn dafür werden sie belohnt. Bei jüngeren Kindern sollte man aber vorsichtig sein, auch da es zu einigen Todesfällen kommt, sodass hier manch einer eventuell auch abgeschreckt werden könnte.
Obwohl die Heldin der Geschichte ein Mädchen ist, kann ich mir gut vorstellen, dass auch Jungen an den wilden Verfolgungen und spannenden Entwicklungen ihren Spaß haben. 

Fazit: Alles in allem ist Patrick Hertweck ein gelungenes Kinderbuch aus der Feder geflossen, das man gut und gerne für die Zielgruppe kaufen und lesen kann. Dies ist kein All-Age-Titel, bereitet die jungen Leser aber gut auf die nächsten Bücher ihrer Leserkarriere vor und beschert ihnen einige vergnügliche Lesestunden!

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Mittwoch, 5. August 2015

[Rezension] Anthony Doerr - Alles Licht, das wir nicht sehen

Autor: Anthony Doerr
Titel:
Alles Licht, das wir nicht sehen
Originaltitel:
All light wie cannot see
Übersetzer: Werner Löcher-Lawrence
Genre: Gegenwartsliteratur/historischer Roman
Seiten:
519
Verlag:
C.H. Beck
Veröffentlichung: 20. Juli 2015
ISBN:
978-3406680632
Preis: 19,95 Euro
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Klappentext:
Saint-Malo 1944: Die erblindete Marie-Laure flieht mit ihrem Vater, einem Angestellten des „Muséum National d’Histoire Naturelle“, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer. Verborgen in ihrem Gepäck führen sie den wahrscheinlich kostbarsten Schatz des Museums mit sich.
Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert und landet auf Umwegen in einer Spezialeinheit der Wehrmacht, die die Feindsender der Widerstandskämpfer aufzuspüren versucht. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, der die Résistance mit Daten versorgt … Hochspannend und mit einer außergewöhnlichen Sprachkunst erzählt Anthony Doerr die berührende Geschichte von Marie-Laure und Werner, deren Lebenswege sich für einen schicksalsträchtigen Augenblick kreuzen. (Quelle)

Meine Meinung:
Seit Jahren tue ich mich schwer mit Romanen, die in der Zeit des Nationalsozialismus spielen - zum Glück bestätigen die Ausnahmen die Regel und ich bin auch immer wieder gewillt es zu versuchen. "Alles Licht, das wir nicht sehen" wurde dieses Jahr (2015) mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Auszeichnungen schön und gut, aber sind die Werke dann nicht oft zu anstrengend als Unterhaltung? Der letzte Hinweis, dass dieses Buch nicht ganz einfach wird, lieferte der Verlag, den ich gut aus meinem Geschichtsstudium kenne. 
Bis hierhin viel gemunkelt und geunkt, aber dem Otto-Normal-Leser sei gesagt: Traut euch!
Natürlich ist dies kein locker leichter Roman, den man mit einem Auge und halb schlafend im Sommerurlaub am Strand schmökern kann, aber es ist ein Roman, der in den Bann schlägt und den Atem stocken lässt. 
Marie-Laure, das erblindete französische Mädchen, und Werner, Spezialist der Wehrmacht, begegnen sich spät im Lauf des Romans, verbringen nicht einmal 24 Stunden gemeinsam und trotzdem weiß der Leser bald, dass ihre Leben eng miteinander verknüpft sein werden. Marie-Laure muss Paris aufgrund des deutschen Einmarsches verlassen, ihr Onkel liebt Radios - und Werner spürt im zweiten Weltkrieg eben diese Radios und Radiostationen der damaligen Gegner Deutschlands auf. 
Erzählt wird die Geschichte auf verschiedenen Ebenen. Zum einen verfolgen wir natürlich wechselnd die Geschichte Marie-Laures und Werners, von ihrer frühen Kindheit bis in ihre Jugendzeit, die dann vom Krieg geprägt ist. Andererseits spielt der Roman über den größten Teil auf zwei verschiedenen Zeitebenen: Einerseits lernen wir die beiden Protagonisten in ihrem Leben vor und zu Beginn des Krieges kennen - sie sind schließlich beide zunächst ganz normale Kinder. Ihre Entwicklung wird aufgezeigt, wie eines zum anderen kommt. Aber schon auf den ersten Seiten gibt es immer wieder den Zeitsprung in die Gegenwart der Geschichte, eine Gegenwart, in der Marie-Laures Wohnort beschossen wird, die Häuser um sie herum Bomben zum Opfer fallen und sie - trotz ihrer Blindheit - ganz auf sich gestellt ist. Und Werner? Werner ist in dieser Gegenwart verschüttet in einem kleinen Keller. Hier lohnt es sich wirklich für den besseren Überblick die Jahreszahlen zu Beginn jedes Abschnittes im Blick zu behalten, um sich immer klar zu machen, in welchem Zeitabschnitt wir uns befinden. Bei der Hörbuchversion fällt dies naturgemäß schwerer. 
Besonders hervorzuheben ist Doerrs Sprachstil. Im personalen Er-Erzähler wird Marie-Laures Lebensweg aufgezeigt. Die Welt aus Sicht eines blinden Mädchens zu beschreiben, empfinde ich als hohe Kunst. Man kann nachfühlen, wie es ihr ergeht und welche Schwierigkeiten sie dabei hat. Gleichzeitig leidet sie kaum unter dieser Bürde, denn sie meistert ihren Weg. Auch alle anderen Empfindungen wie Furcht, Zweifel, Verzweiflung, Skrupel und Sorge, aber auch Hoffnung, Liebe und Freundschaft, die jeder Charakter mit sich trägt, werden von Doerr in Sprache verpackt, wie es mir bisher kaum vorher untergekommen ist. 

Fazit: Wie schon zu Beginn erwähnt: Dies ist keine leichte Lektüre - das lässt schon allein die Thematik nicht zu. Aber Anthony Doerr nimmt den Leser trotz aller drastischen Bilder und Formulierungen vorsichtig mit an die Hand und zeigt in vielen Grauschattierungen das Innenleben zweier junger Menschen, die sich einen kurzen Augenblick begegnen. Wenn man diesem Buch einen Chance gibt, kann jeder - du und ich - einige berührende Lesestunden erleben. 
Nicht nur für Literaturwissenschaftler!

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Samstag, 1. August 2015

Der Juli 2015


Gelesen:


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Prolog (Rezension)
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Sebastian Fitzek - Passagier 23 (Rezension)


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Anthony Doerr - Alles Licht, das wir nicht sehen


Gestrickt:

Kleine Handstulpen ("Eiskaltes Händchen") aus Spendenwolle - geht erstmal in die allgemeine Spendenkiste


Ein Wirbel, der via knit2help.org für den guten Zweck verkauft wird.
Ja, die Farben sind wirklich sooo krass! ;)

 Schaustücke für Inklusio aus Inklusio-Garn

Neu:



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Ich kann nix dafür und konnte mich auch nicht wehren ;)
Spendenwolle von "Inclusio":
Aus den beiden orangenen sehr dünnen Lace-Strängen wird eine "Rosenbridge"

 Und hier ist das neue Muster von Martina Behm geplant "Mrs. Watson" und eine Mütze
Oben habt ihr ja schon die fertigen Stücke gesehen ;)


Das einzig positive an der Verarbschiedung, die im Juli anstand war:
Es gab Geschenke ;)


Wie war dein Juli? Was hast du gelesen? Was hast du gemacht?
Vielleicht hast du auch einen Monatsrückblick? Dann zeig ihn mir doch! :)